Vorläufiger Konsens
Der 7. Oktober datiert zukünftig das größte Pogrom gegen Jüd:innen seit der Shoa – noch dazu in Israel, dem Land, das zum Schutz jüdischen Lebens gegründet wurde. Das Versagen von Regierung, Militär und Geheimdiensten potenziert die Retraumatisierung der Bevölkerung. Noch ist nicht abzusehen, wie tiefgreifend das Massaker und seine gewalt(tät)igen Folgen die Welt verändern werden. Die militärische Antwort Israels, seine massive Bodenoffensive in Gaza, hat mittlerweile über mutmaßlich 10.
500 – zumeist zivile Opfer und Kinder – gefordert und überschreitet dabei rücksichtslos die Grenzen der Humanität.
Der Krieg im Nahen Osten wird auch an geopolitischen Fronten geführt und setzt sich medial fort. Das Ausmaß an antisemitischen Übergriffen in Deutschland wie auch die Bereitschaft der Kunst- und Kulturlandschaft, sich polarisieren zu lassen, Zusammenhänge zu vereinfachen, Empathie und Ambivalenzen auszublenden, hat allerdings eine neue Dimension angenommen.
Wer ist die «jüdische Community»?
Unter dem Titel «Reclaim Kunstfreiheit. Antisemitismuskritik, Kunst & Kultur» startete am 10. Oktober, nur drei Tage nach dem Massaker, eine insgesamt einwöchige Veranstaltungsreihe an wechselnden ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Anja Quickert
Wer versammelt sich, wenn die Freie Szene der Darstellenden Künste Theater macht? Wer sind eigentlich die «People formerly known as audience»? Es sind «Bürger:innen, zahlende Gäste, Follower:innen, Applaudierende, Mitleidende, Co-Creator:innen, Co-Hosts, Audience, Teilnehmer:innen», zählen die zehn Lab-Kurator:innen in ihrer launigen Kollektiv-Rede auf. «Das...
Alles halb so wild? Ist die deutsche Gesellschaft neuerdings gar nicht so gespalten wie oft behauptet? In der Nachkriegszeit noch als Zwiebel symbolisiert, mit dickem Mitte-Bauch und kleinen Enden oben und unten, ist seit den 1990er Jahren zunehmend von Polarisierung die Rede, von wachsenden Spaltungen unter sozialen und kulturellen Aspekten.
Steffen Mau und zwei...
Manchmal findet man solche Bahnhöfe noch in Osteuropa: Stationen, die in aufwendiger, wenn auch ein wenig heruntergekommener Architektur eine Begeisterung für die Menschen verbindende Kraft der Eisenbahn vermitteln, oft mit überraschend dichter Personaldecke ausgestattet und so ein Anschluss der Provinz nach Warschau, Prag oder Belgrad. Bühnenbildner Duri Bischoff...
