Kein Zug wird kommen
Manchmal findet man solche Bahnhöfe noch in Osteuropa: Stationen, die in aufwendiger, wenn auch ein wenig heruntergekommener Architektur eine Begeisterung für die Menschen verbindende Kraft der Eisenbahn vermitteln, oft mit überraschend dichter Personaldecke ausgestattet und so ein Anschluss der Provinz nach Warschau, Prag oder Belgrad. Bühnenbildner Duri Bischoff hat so einen Wartesaal in den Malersaal des Hamburger Schauspielhauses gebaut und nimmt in seiner brutalistische Formen zitierenden Bühnenarchitektur klug Bezug auf die Betonästhetik des Ortes.
Es gibt ein paar Metallabschrankungen, Sitzbänke, Mülleimer, vor allem zwei Kabuffs, in denen die Stationsvorsteher sitzen und das erledigen, was eben so ansteht, wenn wenig zu tun ist: Sie memorieren Lehrbuchinhalte aus der Eisenbahnerpraxis, Signalbesonderheiten, Bremswege, so etwas.
Dass Christoph Marthaler «Im Namen der Brise», eine Szenenfolge zu Gedichten der US-amerikanischen Autorin Emily Dickinson (1839–1886), in ein Bahnhofsambiente verlegt hat, ist folgerichtig: Dickinson lebte in der Kleinstadt Amhurst in Massachusetts, und das (ansonsten etwas informationsarme) Programmheft verrät, dass der Anschluss des Städtchens ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Falk Schreiber
«Ist das hier vorher aufgenommen oder live?», fragt jemand im Chat, den eine alternative Privatschule veranstaltet, um sich mit den Eltern über eine Mumps-Epidemie auszutauschen. «Darum heißt es ja LIVE STREAM!», ist noch die höflichste Antwort. Wenige Postings weiter ist bereits vom «FA-SCHISTISCHEN Schulrat» die Rede, Kurkuma und Ingwer werden gegen Paracetamol...
Guten Abend, willkommen, der Herbst: Rentrée!, wir springen gleich rein, head on, ins Thema: Familie und Gewalt
I THEMA
BARACKE, Familie und Gewalt, das ist das zentrale Thema dieses Stücks, ganz simpel und klar. Es zieht mich immer hin zu großen, einfachen Themen, die etwas Banales, fast Archaisches haben, RAVE: das Feiern, IRRE: der Wahnsinn, ABFALL für alle: das...
In Turnschuhen und weißem Kleid sitzt sie mit ihrem Vater am langen Tisch und gibt freche Widerworte. Pauline Gloger nimmt ihre Ophelia am Staatstheater Meiningen sehr frisch. Mit ihrem Schatz Hamlet (Yannick Fischer) sitzt sie in der Schauspielerszene wild flirtend und händchenhaltend als imaginierte letzte Reihe am Bühnenrand. Das ist der wahre Hingucker dieses...
