Kein Zug wird kommen

Meister der Ausstattung: Am Deutschen Schauspielhaus Hamburg spürt Christoph Marthaler mit «Im Namen der Brise» der US-Lyrikerin Emily Dickinson nach, und SIGNA entführen mit «Das 13. Jahr» in eine düstere Dorfgemeinschaft

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Manchmal findet man solche Bahnhöfe noch in Osteuropa: Stationen, die in aufwendiger, wenn auch ein wenig heruntergekommener Architektur eine Begeisterung für die Menschen verbindende Kraft der Eisenbahn vermitteln, oft mit überraschend dichter Personaldecke ausgestattet und so ein Anschluss der Provinz nach Warschau, Prag oder Belgrad. Bühnenbildner Duri Bischoff hat so einen Wartesaal in den Malersaal des Hamburger Schauspielhauses gebaut und nimmt in seiner brutalistische Formen zitierenden Bühnenarchitektur klug Bezug auf die Betonästhetik des Ortes.

Es gibt ein paar Metallabschrankungen, Sitzbänke, Mülleimer, vor allem zwei Kabuffs, in denen die Stationsvorsteher sitzen und das erledigen, was eben so ansteht, wenn wenig zu tun ist: Sie memorieren Lehrbuchinhalte aus der Eisenbahnerpraxis, Signalbesonderheiten, Bremswege, so etwas.

Dass Christoph Marthaler «Im Namen der Brise», eine Szenenfolge zu Gedichten der US-amerikanischen Autorin Emily Dickinson (1839–1886), in ein Bahnhofsambiente verlegt hat, ist folgerichtig: Dickinson lebte in der Kleinstadt Amhurst in Massachusetts, und das (ansonsten etwas informationsarme) Programmheft verrät, dass der Anschluss des Städtchens ...

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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Falk Schreiber

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