Im Streitstoff
Alles halb so wild? Ist die deutsche Gesellschaft neuerdings gar nicht so gespalten wie oft behauptet? In der Nachkriegszeit noch als Zwiebel symbolisiert, mit dickem Mitte-Bauch und kleinen Enden oben und unten, ist seit den 1990er Jahren zunehmend von Polarisierung die Rede, von wachsenden Spaltungen unter sozialen und kulturellen Aspekten.
Steffen Mau und zwei Berliner Soziologen-Kollegen wollten es genauer wissen und haben von November 2021 bis Juli 2022 eine großangelegte empirische Untersuchung mit repräsentativen Umfragen und Fokusgruppen durchgeführt, um verschiedene Arenen von Ungleichheit und deren Auswirkung auf parteipolitische Positionierung in den Blick zu nehmen. Im Zentrum stehen vier gesellschaftliche Konfliktbündel: sozioökonomische Verteilungsfragen («Oben-Unten-Ungleichheiten»), Debatten um Migration und Asylpolitik («Innen-Außen-Ungleichheiten»), identitätspolitische Anerkennungs- bzw. Diskriminierungskonflikte («Wir-Sie-Ungleichheiten») und die neueren klimapolitischen Auseinandersetzungen («Heute-Morgen-Ungleichheiten»). Damit wäre der aktuelle Streitstoff, der die politischen Parteien, die Social-Media-Kanäle, die Talkshows und die Presse umtreibt, ziemlich ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Bücher, Seite 53
von Franz Wille
MÜNSTER, LWL MUSEUM FÜR KUNST UND KULTUR
bis 14.4.24, Nudes
In Kooperation mit der Tate London beleuchtet die Ausstellung den historischen künstlerischen Akt, intime und moderne Aktdarstellungen sowie surreale Körper und politisch aufgeladene und fragile Darstellungen nackter Körperlichkeit, Themen wie den männlichen Blick auf den nackten Frauenkörper und die Frage...
Wenn Jonathan Peachum und seine Frau in Dresden gleich zu Beginn der «Dreigroschenoper» den armen Filch in die Mangel nehmen und grün bis blau prügeln, geht es nicht ums Bettlergewerbe. Filch hat sich nämlich nicht mit leidvoll ausgestreckter Hand in einen vom Londoner Bettlerkönig kontrollierten Bezirk geschlichen, um ein paar Pennys abzugreifen. Er hat sich...
Wer einen satten Enthüllungs - roman aus der Berliner Theaterwelt erwartet hat mit Schlüsselloch-Indiskretionen und Kulissen-Geheimnissen, wird ein wenig enttäuscht sein von Olga Bachs «Kinder der Nacht». Zwar geht es ohne viel literarische Vertuschung bei den zentralen Figuren um lebende Vorbilder, bei Orhan um den Regisseur Ersan Mondtag, und hinter der Figur...
