Im Streitstoff

Steffen Mau, Thomas Lux und Linus Westheuser vermessen die Konfliktlandschaften der Gesellschaft

Theater heute - Logo

Alles halb so wild? Ist die deutsche Gesellschaft neuerdings gar nicht so gespalten wie oft behauptet? In der Nachkriegszeit noch als Zwiebel symbolisiert, mit dickem Mitte-Bauch und kleinen Enden oben und unten, ist seit den 1990er Jahren zunehmend von Polarisierung die Rede, von wachsenden Spaltungen unter sozialen und kulturellen Aspekten.

Steffen Mau und zwei Berliner Soziologen-Kollegen wollten es genauer wissen und haben von November 2021 bis Juli 2022 eine großangelegte empirische Untersuchung mit repräsentativen Umfragen und Fokusgruppen durchgeführt, um verschiedene Arenen von Ungleichheit und deren Auswirkung auf parteipolitische Positionierung in den Blick zu nehmen. Im Zentrum stehen vier gesellschaftliche Konfliktbündel: sozioökonomische Verteilungsfragen («Oben-Unten-Ungleichheiten»), Debatten um Migration und Asylpolitik («Innen-Außen-Ungleichheiten»), identitätspolitische Anerkennungs- bzw. Diskriminierungskonflikte («Wir-Sie-Ungleichheiten») und die neueren klimapolitischen Auseinandersetzungen («Heute-Morgen-Ungleichheiten»). Damit wäre der aktuelle Streitstoff, der die politischen Parteien, die Social-Media-Kanäle, die Talkshows und die Presse umtreibt, ziemlich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Bücher, Seite 53
von Franz Wille

Weitere Beiträge
In realer Unwirklichkeit

Max Reinhardt war 44 Jahre alt, verheiratet mit Else Heims, der klassischen Ersten Liebhaberin seines Ensembles, war Vater zweier Söhne sowie einer unehelichen Tochter aus einer Affäre mit einer Sängerin, als er sich 1917 in die ebenfalls verheiratete Helene Thimig verliebte, die er 1913 entdeckt und vom Königlichen Schauspielhaus an sein Deutsches Theater...

Barbification oder Gestern macht Kasse

Der vergangene Sommer hatte den Farbcode Pantone 219. Nicht nur wegen des pinken Kampnagel-Sommerfestival-Logos, sondern vor allem wegen «Barbie»: Greta Gerwigs Kinotriumph in pink dominierten Plakatwänden und Kino-Spielplänen spülte eine Milliarde in die Kassen des Spielzeugherstellers Mattel und war der vorläufige Höhepunkt einer schönen neuen Filmwelt, in der...

Vorschau und Impressum TH 12/23

Bassam Ghazi ist vielseitig: freiberuflicher Trainer zu den Themen Diversität, Diskriminierung und Empowerment, außerdem Künstlerischer Leiter von Stadt:Kollektiv, der partizipativen Sparte am Düsseldorfer Schauspielhaus – ein Porträt

Wer und was steht für freie Theaterarbeit in der Ukraine – Olena Apchel vermisst die Szene

Fatma Aydemirs «Doktormutter Faust» lässt...