Im Streitstoff
Alles halb so wild? Ist die deutsche Gesellschaft neuerdings gar nicht so gespalten wie oft behauptet? In der Nachkriegszeit noch als Zwiebel symbolisiert, mit dickem Mitte-Bauch und kleinen Enden oben und unten, ist seit den 1990er Jahren zunehmend von Polarisierung die Rede, von wachsenden Spaltungen unter sozialen und kulturellen Aspekten.
Steffen Mau und zwei Berliner Soziologen-Kollegen wollten es genauer wissen und haben von November 2021 bis Juli 2022 eine großangelegte empirische Untersuchung mit repräsentativen Umfragen und Fokusgruppen durchgeführt, um verschiedene Arenen von Ungleichheit und deren Auswirkung auf parteipolitische Positionierung in den Blick zu nehmen. Im Zentrum stehen vier gesellschaftliche Konfliktbündel: sozioökonomische Verteilungsfragen («Oben-Unten-Ungleichheiten»), Debatten um Migration und Asylpolitik («Innen-Außen-Ungleichheiten»), identitätspolitische Anerkennungs- bzw. Diskriminierungskonflikte («Wir-Sie-Ungleichheiten») und die neueren klimapolitischen Auseinandersetzungen («Heute-Morgen-Ungleichheiten»). Damit wäre der aktuelle Streitstoff, der die politischen Parteien, die Social-Media-Kanäle, die Talkshows und die Presse umtreibt, ziemlich ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Bücher, Seite 53
von Franz Wille
Wo Molière draufsteht, ist Komödie drin. Erst recht, wenn sich ein Schauspieler, Regisseur und Superkomödiant wie Bruno Cathomas der Sache annimmt. In Bern beugt er sich über Molières «Amphitryon», Kleists Vorläuferdrama, und erst einmal fällt im Theater der Strom aus. Das Notstromaggregat will auch nicht so recht, der Darsteller des Merkur steckt in der Deutschen...
Max Reinhardt zum 150. Geburtstag zu gratulieren, ist gleichermaßen einfach wie ungefährlich: Die Verdienste dieses großen Regisseurs und Theatermachers liegen auf der Hand. Wie kaum ein Zweiter hat er das deutschsprachige Sprechtheater durch seine Art, Regie zu führen, revolutioniert. Große Schauspielernamen wie Gertrud Eysoldt, Albert Bassermann, Tilla Durieux,...
Dass es Rieke Süßkow (nach ihrem Wiener Überraschungserfolg mit Peter Handkes «Zwiegespräch») nun auch in Nürnberg gelang, selbst einen Werner Schwab so umzukrempeln, dass man ihn beinahe nicht wiedererkennt, grenzt an ein Wunder. Die gallig ordinäre Wirtshausposse, in der sich ein paar durchgeknallte Stammgäste Beleidigungen und Geschlechtsorgane um die Ohren...
