Von Null zur Autorschaft

Die Regisseurin Leonie Böhm sucht nach Menschen, die sich öffnen

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Grad noch Büchner, jetzt Euripides. Es ist bemerkenswert: So gut wie ausschließlich klassische Stoffe hat Leonie Böhm auf die Bühne gebracht. Angefangen mit «Nathan die Weise» 2017 am Thalia-Theater und «Yung Faust» 2019 an den Münchner Kammerspielen – beide eingeladen zum Festival Radikal Jung. Dann «Fuck Identity, Love Romeo» (Bremen), «Die Räuberinnen» (München) oder auch mal eine «Penthesilea» in Konstanz. Zuletzt in Zürich als eine der alliierten Künstlerinnen am Schauspielhaus «Leonce und Leonce».

Und nicht zu vergessen die während des Studiums in Hamburg entstandenen «Kasimir und Karoline» und «Bittere Tränen» nach Fassbinder, auch schon Kanon, wie doch die Zeit vergeht.

Es ist kein Zufall. Kanonische Stoffe passen zu Böhms Ästhetik, weil sie hier auf Vorkenntnisse setzen kann. Eine ko-kreative Leistung des Publikums, im Hintergrund mitlaufen zu lassen, was sie weglässt. Denn die Erzählung interessiert Leonie Böhm am wenigsten. Mit ihren Ensembles, meist kleinen Teams, klopft sie klassische Konstellationen auf ihre zeitge­nössische Virulenz ab. Meist hat sie eine präzise Fragestellung, der sie einen Stoff unterwirft, oder vielmehr: woraufhin sie ihn durchwühlt.

Bei den ...

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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 104
von Andreas Klaeui

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