Vom Couplet zum Choral
Der Krieg, dieser unermüdliche Beschleuniger der Warenzirkulation, tödlich für die Körper, zerstörerisch für die Seelen, aber als Konjunkturprogramm nach wie vor unschlagbar, lässt sich auf der Bühne nicht darstellen, wohl aber verhandeln. Das weiß auch Armin Petras und sucht sich für sein gleichnamiges Doppelprojekt an den Münchner Kammerspielen denkbar kontroverses Ausgangsmaterial zum Thema: Carlo Goldonis sarkastische Komödie «La Guerra» von 1760 und Heinrich von Kleists Trauerspiel-Fragment «Robert Guiskard» aus dem Jahr 1808 stehen sich wie Komplementärfarben gegenüber.
Goldoni beschreibt die Belagerung einer Stadt als florierendes Wirtschaftsmodell, in dem für materiellen Gewinn physische und psychische Deformation billigend in Kauf genommen werden. Für Petras ist es ein geschäftsmäßiger Krieg, ein Gesellschaftsspiel, bei dem die Herren anfangs in Nadelstreifen auftreten und die Damen (kühl und forsch: Wiebke Puls und Regina Zimmermann, noch sittsam: Tabea Bettin), nicht ohne Berechnung von Einsatz und Ertrag, kräftig mitmischen. Später gefällt man sich in bunten Barockkostümen (entworfen von Karoline Bierner), die Commedia-dell’arte-Figuren zitieren, und singt sich mit ...
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Es ist nicht gerade ein schwerer Médoc, den die Requisite des Maxim Gorki Theaters der genussfreudigen Danton-Kommune abgefüllt hat. Umso bombensicherer hat sie die Flaschen mit der himbeersaftdünnen Plörre wieder verkorkt, und Johann Jürgens, einer der revolutionären Mitbewohner, muss etliche jakobinische Verrenkungen auf sich nehmen, um dem französischen...
Wer je in einem Flugzeug saß, das vom Blitz getroffen wurde, weiß, wie es knallt. Ein Faraday-Käfig ist eine geschlossene Hülle, in der man sich unversehrt durch Gewitter und Blitz bewegen kann. Das ist eine schöne Namensmetapher für Künstler, die sich am liebsten in den Hauptelektrizitätsfeldern der Gegenwart aufhalten. «Far A Day Cage will nicht moralisch sein,...
Wie sitzt man richtig? Irgendwie wenigstens ein bisschen anders als die anderen? Hektisch windet sich Ira auf ihrem Klappstuhl auf der Suche nach der richtigen falschen Positur, angemessen nonkonform. Ein aussichtsloses Unterfangen, dem sie auch ihre Stimme unterwirft: hoch oder doch lieber tiefergelegt? Prononcierte Endungen oder cooles Verschleifen? Oder doch...
