Volle Kanne Frauenpower

Kate Tarker «Montag» (DSE), William Shakespeare «Romeo und Julia» im Badischen Staatstheater Karlsruhe

Theater heute - Logo

«Trau keinen Männern! Falsch sind sie alle!» Das musste Anna Bergmann nicht hineinschreiben in ihre Neuinszenierung von «Romeo und Julia». Denn es steht schon bei Shakespeare. Julias Amme sagt es, in ihrer Totenklage um Julias Vetter Tybalt. Aber es bleibt leider aktuell, wie etwa das Stück «Montag» zeigt. Dort verstecken sich Faith und Novella in einer Kellerwohnung vor Novellas Partner Clifford. Der ist nicht nur gewalttätig, sondern auch Ex-Soldat und nun als IT-Mann immer noch bei der Armee angestellt – und dort ist Faith seine Vorgesetzte.

Weshalb sie weiß, dass er seit einer Woche nicht zur Arbeit gekommen und nicht erreichbar ist. Wo ist er? Was hat er vor? Und: Hat er eine Waffe bei sich?

Um nicht durch eine Attacke von außen überrumpelt zu werden, halten die beiden Frauen einander wach. Und sind am siebten Tag dieser Wache, an dem das 2022 uraufgeführte Stück der US-Autorin Kate Tarker einsetzt, entsprechend nicht mehr ganz Herrinnen ihrer Sinne. Faith verliert, ihrem Namen zum Trotz, immer mehr den Glauben an sich selbst. Und Novellas Angst vor Clifford wird zunehmend ausgehebelt von ihrer Angst um Clifford. Wenn Darstellerin Sarah Sandeh die männliche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Andreas Jüttner

Weitere Beiträge
Barbification oder Gestern macht Kasse

Der vergangene Sommer hatte den Farbcode Pantone 219. Nicht nur wegen des pinken Kampnagel-Sommerfestival-Logos, sondern vor allem wegen «Barbie»: Greta Gerwigs Kinotriumph in pink dominierten Plakatwänden und Kino-Spielplänen spülte eine Milliarde in die Kassen des Spielzeugherstellers Mattel und war der vorläufige Höhepunkt einer schönen neuen Filmwelt, in der...

Witz und Wachsamkeit

«Ist das hier vorher aufgenommen oder live?», fragt jemand im Chat, den eine alternative Privatschule veranstaltet, um sich mit den Eltern über eine Mumps-Epidemie auszutauschen. «Darum heißt es ja LIVE STREAM!», ist noch die höflichste Antwort. Wenige Postings weiter ist bereits vom «FA-SCHISTISCHEN Schulrat» die Rede, Kurkuma und Ingwer werden gegen Paracetamol...

Nackte Ambiguitäten

Lulu ist nackt. Natürlich. Seit Peter Zadek die Schauspielerin Susanne Lothar die Naturgewalt in der Lulu-Gestalt hat suchen lassen, ist das immer eine Option. Auf eine solche Suche begibt sich auch Daniela Löffner in ihrer Version von «Lulu» am Staatsschauspiel Dresden. Denn diese Figur ist ja schwer zu greifen. Zwischen intrigantem Lolita-Vamp und naiver...