Vitamin Berlin

Argentinische Dramatiker mit Hang zum Existenziellen und amerikanische Regisseure mit Hang zur Ironie geben New Yorks ermüdeter Bohème-Theaterszene beim P.S. 122-Festival «Buenos Aires in Translation» einen subkulturellen Vitaminschub

Die Glanzzeit des P.S. 122, der ehrwürdigen East-Village-Institution für experimentelles Theater, war schon lange vorbei, als vor zwei Jahren unter anfänglich großen Protesten der Australier Vallejo Gantner die künstlerische Leitung des Hauses übernahm. Gantner kündigte an, dass er das P.S. 122 wirtschaftlich rentabler machen und für interkulturellen Austausch zwischen dem East Village und dem Rest der Theaterwelt sorgen würde. Zumindest letzteres ist ihm mit seinem jüngsten Coup, dem Festival «Buenos Aires in Translation» (BAiT), gelungen.

Das Festival brachte kürzlich eine Frische in die angeschlagene Bohème-Theaterszene Manhattans, die man schon lange für nicht mehr möglich gehalten hatte. Trotz aller Finanznot sahen die vier präsentierten Inszenierungen gut aus. Die ansonsten gängige Political Correctness wurde für existenzielle und manchmal blutrünstige Dramen made in Argentina aufgegeben, und überhaupt gab es ein cooles, kosmopolitisches Theater-Selbstverständnis zu sehen, das sich verführerisch echt anfühlte.

Das von Shoshana Polanco kuratierte BAiT bestätigt nicht nur die seit ein paar Jahren umlaufenden Gerüchte, dass Buenos Aires das regierende Epizentrum des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2007
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Daniel Schreiber

Vergriffen
Weitere Beiträge
Frau als Beute

Spannungsarm lehnt der Gatte an der Küchenzeile. Die Frau hat sich in einen Wutanfall hineingesteigert, schreit «du elender Kerl» und streicht sich eine absichtsvoll drapierte Grauhaarsträhne aus dem Gesicht. Er wolle jetzt «keine kleinkarierte Rechnung aufmachen», erwidert der Gatte in stilechtem Vorabendseriendeutsch und sitzt die Sache erst mal aus. Man scheint...

Dolmetscher der Gefühle

Es begann mit zwei schmalen Erzählbänden, die Mitte der neunziger Jahre erschienen und sonderbare Titel trugen: «Der Elefant verschwindet» und «Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah». Die Bücher hielten, was ihre Titel versprachen. Sie handelten von jungen Menschen in Japan, die ebenso gut junge Menschen in Mitteleuropa hätten sein können,...

Warner-Brother Kruse

Einigermassen überrascht gab sich der Luzerner Schauspieldirektor Peter Carp im Nachhinein angesichts der Komplikationen, die sich aus der attraktiven Idee ergeben hatten, die er dem kleinen Theater mitten in der Schweizer Puppenstube bescherte. Kaum nämlich hatte sich das Luzerner Theater um die Aufführungsrechte an einem Text von Tennessee Williams bemüht und...