Vitamin Berlin
Die Glanzzeit des P.S. 122, der ehrwürdigen East-Village-Institution für experimentelles Theater, war schon lange vorbei, als vor zwei Jahren unter anfänglich großen Protesten der Australier Vallejo Gantner die künstlerische Leitung des Hauses übernahm. Gantner kündigte an, dass er das P.S. 122 wirtschaftlich rentabler machen und für interkulturellen Austausch zwischen dem East Village und dem Rest der Theaterwelt sorgen würde. Zumindest letzteres ist ihm mit seinem jüngsten Coup, dem Festival «Buenos Aires in Translation» (BAiT), gelungen.
Das Festival brachte kürzlich eine Frische in die angeschlagene Bohème-Theaterszene Manhattans, die man schon lange für nicht mehr möglich gehalten hatte. Trotz aller Finanznot sahen die vier präsentierten Inszenierungen gut aus. Die ansonsten gängige Political Correctness wurde für existenzielle und manchmal blutrünstige Dramen made in Argentina aufgegeben, und überhaupt gab es ein cooles, kosmopolitisches Theater-Selbstverständnis zu sehen, das sich verführerisch echt anfühlte.
Das von Shoshana Polanco kuratierte BAiT bestätigt nicht nur die seit ein paar Jahren umlaufenden Gerüchte, dass Buenos Aires das regierende Epizentrum des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Hört her! Der Theaterkritiker hat ein Manifest geschrieben. Und was für eins. Es strotzt nur so von altbackenen Phrasen, von Unterstellungen und Bezügen, die mit unserer Zeit und dem Theater, das in ihr stattfindet, kaum noch etwas zu tun haben. Der Kritiker beklagt, dass das deutsche Theater an Gefühlsarmut, an arroganten und verblödeten Regisseuren und...
Es begann mit zwei schmalen Erzählbänden, die Mitte der neunziger Jahre erschienen und sonderbare Titel trugen: «Der Elefant verschwindet» und «Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah». Die Bücher hielten, was ihre Titel versprachen. Sie handelten von jungen Menschen in Japan, die ebenso gut junge Menschen in Mitteleuropa hätten sein können,...
Odysseus bleibt 20 Jahre von zuhause fort: Erst führt er Krieg gegen Troja, dann irrt er auf den Weltmeeren und in den Betten von Calypso und Kirke umher. Seine Gattin Penelope hält ihm 20 Jahre lang die Treue und die über hundert Freier, die sie umschwärmen, auf Distanz. So weit, so bekannt. Aber wie geht es eigentlich Telemach, dem gemeinsamen Sohn? Der ist in...
