Vier mal vier – die Quadratur der Szene
Freies Theater» war mir lange eine eher Beklemmung auslösende Kategorie aus der Vergangenheit. Ich denke vor allem zurück an viel Unfreiwilligkeit. An Instandbesetzung und Beharrungsvermögen, an sehr lokale Phänomene unterhalb des Tellerrands, an basis–demokratische Gruppen mit der charmant-militanten Ausstrahlungskraft von Stadtteil- und Soziokulturprojekten.
War man erstmal mittendrin, wurden einem alle ihre Ansätze und alternativen Botschaften schnell supersympathisch, man kämpfte Seit an Seit gegen Subventionswillkür und groteske Unterfinanzierung, schicke Hallenumbaupläne und Kampnagelkaputtsanierung. Die «Freien Gruppen», das waren die Übriggebliebenen und nicht Untergekommenen, die Sozialhilfeempfänger des Systems und Hartzvierer der deutschen Stadttheaterlandschaft. Die immer schon selbstbewusst Hunger litten und den leeren Spieß umdrehten, die Not zur Tugend und zum ästhetischen Programm zu erheben trachteten. «Freies Theater»: Das scheint mir lange Zeit der freundliche Sammelbegriff einer qualitativen Grauzone gewesen zu sein, zwischen «zu anders» und «zu schlecht».
Die besseren Zeiten sind längst da
Those times are größtenteils gone, bekanntermaßen. Grau und unfreiwillig ...
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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Freie Szene, Seite 46
von Matthias Pee
Der Anfang ist rauschhaft – aber schnell verflogen. In den Wolken hängt ein zierlicher Spiegel, die Kamera schwebt durch die Lüfte und senkt sich nach einem weiten Panorama-Schwenk auf eine Stadt am Meer und in gebirgigem Tal. Oder doch eher auf eine Fantasy-Landschaft von Mittelerde? Eingekuschelt in den Mutterboden wie – Referenz an F.W. Murnau – in den...
Eine schmucke kleine Hochzeitsgesellschaft, vielleicht irgendwo auf dem Balkan, wo das legendäre Illyrien liegen soll, vielleicht auch bloß beim Griechen in Bochum-Stiepel. Die Braut trägt Weiß, der Vater des Bräutigams packt langen Unsinn in eine kurze Rede, der Kellner ist nervös, der Bräutigam gibt sich Mühe, nett zu sein. Bis dahin ist alles korrekt (abgesehen...
Jean Genets Reaktion auf die Uraufführung 1957 am Londoner Arts Theatre legt nahe, dass Peter Zadek damals ziemlich prall und heftig inszeniert haben muss. Der Regisseur, so Genet, habe weder den Geist noch den Text des Stückes geachtet, und überdies erwecke die Inszenierung den Eindruck, er, also Genet, «sei ein Skandalmacher und Pornograf». Donnerwetter, kann...
