Verklumpte Zeit
Papa Maik ist zurück. Vor vier Jahren hat er zum ersten Mal im Nationaltheater Weimar Quartier bezogen mit «Ich liebe dir». Zur Fortsetzung erweiterte sich der Orginaltitel noch um ein kryptisches «Aber lass dich nicht über den Haufen schießen». Maik ist dabei erstmal so einiges: Ostdeutscher, Fussballfan, Vater, Kampfsportler, Lebenskünstler und politisch irgendwie links mit Hang zum Anarchismus. Nicht immer, aber oft in dieser Reihenfolge. Erschaffen hat diese Monolog-Figur Dirk Laucke, gespielt wird sie wie auch schon 2020 von Krunoslav Šebrek.
In Maiks Wohnzimmer, spartanisch eingerichtet mit abgeranztem Ledersofa, Kühlschrank und Fußball-Devotionalien des FC Union Berlin (Ausstattung Marie-Christin Riedel), geht in dieser Wiedervorlage eine Stunde lang die Post ab.
Maiks Sohn ist verschwunden, wie seine Ex-Frau, die in den Westen rübergemacht hat (eines der großen Themen des ersten Teils), ihm am Telefon (kein Smartphone!) mitteilt. Schon der erste Monolog hatte den Sohn Chris als eine Art virtuellen Ansprechpartner, und die Sorge um den Filius ist auch dieses Mal Startpunkt für einen Rundumschlag durch die Zeitläufte, in denen wir uns unfreiwillig verstrickt befinden. ...
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Theater heute April 2024
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Torben Ibs
Die Verschränkung von Kapitalismus und Pa -triarchat wird nirgendwo brutaler verhandelt als an weiblich gelesenen Körpern. Wenn die Form dieser Körper nicht der Norm entspricht, fällt das Urteil umso härter aus. In Laura Linnenbaums Bühnenadaption von Daniela Dröschers «Lügen über meine Mutter» ist es der mehrgewichtige Körper der Mutter, der als Zielscheibe der...
An schlechten Tagen wacht sie gar nicht auf, hat sich ins Schlafzimmer zurückgezogen, ist zugedröhnt von ihren Tabletten und überlässt ihre drei Kinder sich selbst. An guten Tagen aber steht sie plötzlich mit der Badetasche im Flur, macht Stress, ob die Schwimmsachen für den Ausflug ins Hallenbad schon eingepackt sind. Im Auto läuft Musik, «Bello e impossibile»,...
Die Hölle, das ist die Gemäldegalerie. Zumindest, wenn sie so kuratiert ist wie die, die Nadin Schumacher in die neu eröffnete Kleinbühne «Werkstatt» in der Thalia-Nebenspielstätte Gaußstraße gebaut hat: Einige Bilder sind beschmiert oder zerrissen, an einer Stelle hängt nur ein leerer Rahmen, ein weiterer Rahmen ist beschädigt, vor allem aber passt nichts...
