Nicht ganz ernst
Brechts Notizbuch wird in der nun erschienenen Suhrkamp-Edition auf eine Weise aufbereitet, die keine Wünsche gegenwärtiger Editionsphilologie und -praxis offen lässt: Die einzelnen Seiten der kleinen schwarzen Notizbüchlein, in denen erotische Gedichte, Zoten und erste Überlegungen zum «Fatzer» neben aussagekräftigen To-do-Listen, Adressen und kryptischen Zahlen stehen, werden faksimiliert und auf der gegenüberliegenden Seite transkribiert, stehen auf großen weißen Seiten, die Platz für Anmerkungen unterschiedlichster Art bieten, werden von umfangreichen längeren Kommentaren be
gleitet und stellen in toto eine Variante dessen dar, was – Paradigmen setzend – einst die Frankfurter Ausgabe der Schriften Hölderlins bei Stroemfeld etablierte: eine Veröffentlichung für kommende Generationen, angelegt auf lange Haltbarkeit, ja Dauer. Dies greift ohne Zweifel eine Regung Brechts auf, die sich in der lebenslangen Sammlung seiner Notizen, Entwürfe, Typoskripte und Handschriften niederschlug, in der Vorarbeit auf die eigene Archivierung im Dienste eines langen Nachruhms.
Und doch ist dies eben nur eine der Regungen Brechts, und vielleicht eine, die, alleine für sich, nicht seine stärkste ...
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Theater heute April 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Nikolaus Müller-Schöll
Die Stimmung bei der Premiere in der Volksbühne war prächtig, und niemand hätte auch nur im Entferntesten gedacht, dass es René Polleschs letzte Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Partner in Crime werden würde. Nennen wir ihn «Fabian Hinrichs» wie auf dem Programmzettel, wo die Figur, die keine Figur ist, und der Schauspieler in eins fallen: ein nicht mehr ganz...
Die Nachricht von Renés Tod erreichte mich am ersten Urlaubstag. Gerade trabte ich auf einem Schimmel durch die Berge in der Sierra Nevada. Es war mein erster Urlaub seit Langem. René mochte keinen Urlaub. Er mochte lieber zum Beispiel Pizza und danach noch Spaghetti.
Das erste Mal sind wir uns 1999 in einer Bar am Nollendorfplatz begegnet. Christine Groß und Tabea...
Die Hölle, das ist die Gemäldegalerie. Zumindest, wenn sie so kuratiert ist wie die, die Nadin Schumacher in die neu eröffnete Kleinbühne «Werkstatt» in der Thalia-Nebenspielstätte Gaußstraße gebaut hat: Einige Bilder sind beschmiert oder zerrissen, an einer Stelle hängt nur ein leerer Rahmen, ein weiterer Rahmen ist beschädigt, vor allem aber passt nichts...
