Verdrängte Schuld

nach Kafka «Amerika» im Schauspielhaus Stuttgart

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Im Kafka-Jahr boomt Kafka auf der Bühne. Auch wenn es erst sechs Jahre her ist, dass Lilja Rupprecht das Romanfragment «Amerika» am Stuttgarter Schauspiel inszeniert hat – diesmal ist Viktor Bodó der Regisseur.

Auch jetzt wählt das Theater wieder den populärer klingenden Titel «Amerika» statt den von Kafka geplanten, viel aussagekräftigeren «Der Verschollene».

Der zweistündige Abend beginnt mit einem 20-minütigen Vorspiel, das sich absichtsvoll in die Länge dehnt: Auf offener Bühne hängen Schreibtische an Seilen, gleichförmig ausgestattet mit Schreibmaschinen und Lämpchen. Hinten, abgesetzt, der Tisch des Oberaufsehers. Ein Großraumbüro der alten Art (Bühne Zita Schnábel). Nacheinander treten sämtliche zehn Mitwirkende als Angestellte auf, grüßen in eine Kamera, setzen sich. Und werden am Ende des Vorspiels vom Oberaufseher zum Chor gebeten, um A-M-E-R-I-K-A-Buchstabenspiele zu singen, bevor ein Bote ein Päckchen bringt mit einer Miniatur der Lady Liberty: Auslöser für den Aufbruch aus der öden Bürowelt übers Meer zum Sehnsuchtsort Amerika. Unter wallenden Nebelschwaden werden nun die Tische samt Personal in die Höhe gezogen, und aus dem Off erklingen Knarzen und Wellengeräusche. ...

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Theater heute Juli 2024
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Verena Großkreutz

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