Auf der Suche nach dem intimen, experimentellen Spirit

Ein Gespräch mit Mark Russel, dem langjährigen künstlerischen Leiter von Under The Radar

Theater heute - Logo

Stefanie Carp Under The Radar wurde im Mai abgesagt. Ende Juli hast du ein neues Under the Radar angekündigt. Wie macht man das? 
Mark Russel Ich war erst mal ein bisschen geschockt. Der Grund war Geld, aber auch die Struktur. Die Zusammenarbeit mit dem Public Theater war immer schwieriger geworden. Es ist eine große Institution, die verpflichtet ist zu produzieren, die mein Festival präsentiert. Es war auch für Oskar Eustis, den Leiter, keine leichte Entscheidung.

Wir haben erst mal alle angerufen, mit denen wir verabredet waren für Januar 2024. Dann fing ich an darüber nachzudenken, wie ich für all das, was ich gerne tun möchte, eine freiere Form finden könnte. Es war befreiend, mir vorzustellen, meine eigene Website zu designen. Dafür hätte ich im Public zehn Sitzungen gebraucht. Dann haben mich Freunde in eine Bar in Downtown eingeladen: Da war Thommy Kriegsmann, Shanta Take vom Lincoln Center, Meiyin Wang von PAC, Jay Wegman vom Skirball Center, Mia Yoo von La MaMa, Susan Feldmann von St Ann’s, da war Vallejo Gantner. Sie haben gesagt: «Mark, ganz ehrlich, wir sind hier, weil wir wollen, dass das weiter geht.» Und dann kamen die Ideen zusammen. Jay Wegman sagte: «Ich hab im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2024
Rubrik: International, Seite 44
von Stefanie Carp

Weitere Beiträge
Verdrängte Schuld

Im Kafka-Jahr boomt Kafka auf der Bühne. Auch wenn es erst sechs Jahre her ist, dass Lilja Rupprecht das Romanfragment «Amerika» am Stuttgarter Schauspiel inszeniert hat – diesmal ist Viktor Bodó der Regisseur.

Auch jetzt wählt das Theater wieder den populärer klingenden Titel «Amerika» statt den von Kafka geplanten, viel aussagekräftigeren «Der Verschollene». Der...

«Fünf unfassbar lehrreiche Jahre»

Andreas Klaeui Zum Einstieg bitte ich Sie, alle eine Arbeit aus den letzten fünf Jahren zu benennen, die für Sie wichtig ist, ohne Scheu vor Auslassungen – es darf auch eine eigene sein –, und in einem Satz zu sagen, warum sie für Sie relevant ist. 
Nicolas Stemann Es fällt mir schwer, mich festzulegen. Es gab in diesen fünf Jahren so viele interessante Erlebnisse,...

Von der Schönheit, Faschisten zu töten

Am 19. Juli 1936 rief die kommunistische Abgeordnete Dolores Ibárruri Gómez die spanische Bevölkerung über Radio Madrid zur Verteidigung der Demokratie auf. Zwei Tage zuvor hatte das Militär gegen die Zweite Spanische Republik geputscht und damit einen Bürgerkrieg ausgelöst, der insgesamt knapp drei Jahre dauerte und fast eine halbe Million Menschen tötete, bis ihn...