Verbitterung und Kompromiss
Wie soll man sich mit der DDR beschäftigen? Ein Geschichtsbuch zu wälzen kann fad und trocken sein. Wenn die persönliche Verbindung zur Geschichte fehlt, immerhin ist die überwiegende Bevölkerung in Westdeutschland sozialisiert, verkommt das Geschehen zu bloßen Fakten aus Namen und Daten. In der Literatur ist es anders. Sie vermag es, durch die Beschreibung von Menschen und ihren Schick -salen eine lebhafte Vorstellung vom Geschehenen zu vermitteln.
Wer die Logik des selbsternannten Arbeiter- und Bauernstaats also einmal ganz lebhaft auf die Spur kommen will, einer Geschichte von immerhin rund zehn Millionen Deutschen, dem sei «Das Narrenschiff» empfohlen.
Denn während sich ein großer Teil der DDR-Literatur, wie im Fall von Jenny Erpenbeck, nur auf einzelne Abschnitte der Geschichte bezieht, zeichnet der Schriftsteller Christoph Hein ein Panorama von Anfang bis Ende der Deutschen Demo -kratischen Republik. Wer versucht, es kurz zu umreißen, muss notwendigerweise scheitern. Schriftsteller Hein hingegen, 1944 in Schlesien geboren, der als Pfarrerssohn in der DDR kein Abitur ablegen durfte, entpuppt sich als akribischer Chronist: Erzählt von der Nachkriegszeit und dem Volksaufstand ...
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Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Bücher, Seite 48
von Anna Hoffmeister
Das Buch beginnt mit einem Verrat. Keinem erheblichen, nur einem kleinen Diebstahl zu Schulzeiten und seiner Verleugnung. Aber das Motiv ist sorgsam gesetzt und stellt zugleich den Anschluss an einen zentralen Topos der Zeit vor 1989 her, als Verdacht und Verrat zum täglichen Geschäft gehörten, als man auf des Messers Schneide lebte, in einem «Krieg ohne Schlacht»...
Kann man das? Will man das? Muss man es vielleicht sogar? Den großen blutigen Elefanten in unseren Köpfen, den Krieg, der nicht aufhört und immer näher heranschleicht, auf die Bühne bringen!? Wie kann das gehen, ohne banal oder blutrünstig zu werden? Scheitern erscheint hier nicht nur als Option, sondern fast vorprogrammiert, aber ein Versuch ist es wert, und sei...
Die gute alte Moderne hält uns immer noch auf Trab. Aber es sieht gerade nicht gut aus für sie, d.h. für uns. Klimawandel, wachsende soziale Ungleichheit, Kulturkämpfe, zunehmende Migrationsbewegungen, Rechtspopulismus, politische Polarisierungsunternehmer, liberale Demokratien unter Druck, globale Spannungen, neue Kriege in der Ukraine und in Israel – alles...
