Vanitas auf der Wiese

Das Zürcher Theaterspektakel nimmt langsam wieder Fahrt auf mit zehn Neuproduktionen, u.a. aus dem Libanon, Kolumbien und der Schweiz

Noch ist das Zürcher Theaterspektakel nicht das alte; sanitäre Auflagen schränken es an allen Ecken ein. Denn was das «Speki» im Kern ausmacht, ist ja das pure Gegenteil von Corona-verträglich: ein großes Durcheinander, ein Kunstvolksfest auf der Wiese am See, bei dem sich Passant:innen und Theatergänger:innen mischen, Straßenkünstler:innen mit den eingeladenen Truppen, Theaterarbeiten aus aller Welt mit gleichermaßen internationalem Street Food. Es gab heuer weniger von allem – und vor allem ja: keine Menschenansammlungen.

Weniger Beizlein, weniger Bühnen, dafür wie schon in der ersten Corona-Ausgabe vor einem Jahr künstlerische Installationen auf der freien Wiese. Aber auch mehr Koordination: mehr Koproduktionen mit den Zürcher Theaterhäusern, mehr dezentrale Aktivitäten und Shows in den Quartieren, vor Ort ein eigenes Gratis-Testzentrum und für die Straßenkunst eine besondere Bühne direkt am See, die pandemiebedingte Ordnung in das sonst so charmante Auftritts-Chaos brachte.

Das Konzept ist aufgegangen, und wie durch ein Wunder konnte tatsächlich der Großteil der eingeladenen internationalen Produktionen in Zürich anreisen und auftreten. Seine Internationalität macht das ...

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Theater heute November 2021
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Andreas Klaeui

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