Superheld:innen
«Zorro» und «Wonder Woman», zwei überaus kämpferische Texte, kommen überraschenderweise als Clownsspiel daher. Vor allem der zweite – mit riesigen roten Clowns-Pantinen wackeln vier Frauen herein, die in der Folge die Geschichte eines grotesken Justizirrtums erzählen, der vor sechs Jahren Italien erschütterte und bis heute zum Aufregen ist. Eine junge Immigrantin aus Peru hatte damals eine Vergewaltigung durch zwei Landsleute zur Anzeige gebracht – aber schon die Polizei glaubte ihr nicht.
Das sei doch sicher Sex im Einvernehmen gewesen, wurde ihr immer wieder entgegengehalten – und habe sie denn die Situation nicht selbst heraufbeschworen in einem alkoholischen Exzess, wie er quasi landes- und kulturtypisch sei unter Exil-Peruanern? Offener Rassismus gegenüber Immigrant:innen mischt sich auf grausame Weise mit sexistischer Ignoranz und Verachtung der übelsten Sorte; und schließlich sind es sogar bioitalienische Richterinnen, die die der Vergewaltigung beschuldigten Männer freisprechen, während das Opfer immer nur darauf beharren kann, dass «mein Körper nicht lügt».
Die Cottbuser Schauspiel-Frauen Lisa Schützenberger und Sigrun Fischer, Ariadne Pabst und Anouk Wagener erzählen die ...
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Theater heute November 2021
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Michael Laages
Die Kunst des intelligenten Trollens besteht darin, das Gegenüber so zu reizen, dass es sich selbst diskreditiert. Im Netz klappt das prächtig, manchmal unfreiwillig. Beispiel Twitter: Man kann dort einen Hamburger Innensenator als «Pimmel» bezeichnen, was zunächst nicht so intelligent klingt. Heißt dieser Andy Grote und reagiert die ihm unterstellte Polizei auf...
Der Hauptbahnhof Gelsenkirchen ist deprimierend. Überquellende Mülleimer, Geruch von altem Dö -ner, auf zwei Ebenen irgendwelche Shops, tätowiert herumstehende junge Männer. Und dann hat man das gelbe Schild mit dem QR-Code doch noch gefunden, steigt aufs selbst mitgebrachte Fahrrad und folgt den Pfeilen, die an Laternenpfählen oder Zäunen angebracht sind. Und...
Noch ist das Zürcher Theaterspektakel nicht das alte; sanitäre Auflagen schränken es an allen Ecken ein. Denn was das «Speki» im Kern ausmacht, ist ja das pure Gegenteil von Corona-verträglich: ein großes Durcheinander, ein Kunstvolksfest auf der Wiese am See, bei dem sich Passant:innen und Theatergänger:innen mischen, Straßenkünstler:innen mit den eingeladenen...
