Die Verwandlung
Wie ein zerbrechliches Porzellanpüppchen steht sie da, diese Marquise von O. Steht auf der Bühne wie bestellt und nicht abgeholt. Fest klammert sie ihre Hände an ihren Reifrock, während drei eigenwillige Ladies katzenhaft um sie herumstreifen. Abfällig wissend erzählen sie die Kleistsche Novelle aus dem Jahre 1808, die Geschichte von «julietta marquise von o-punkt». Oder zumindest das, was Enis Maci davon übrig gelassen hat.
In ihrem Stück «WÜST oder die Marquise von O.
– Faster, Pussycat, Kill, Kill!» verschränkt die mehrfach ausgezeichnete Autorin Handlung und Figuren aus dem Kleist-Text mit Russ Meyers Schwarzweißfilm aus dem Jahre 1967. Nahezu reibungslos gelingt Maci die Verknüpfung zu einem schlüssigen Mashup. Dafür lässt sie die drei Pussycats – im Film sind es rattenscharfe Stripperinnen – auftreten und die Geschichte der Marquise von O. mit ironisch-kritischem Unterton in eine (nicht nur) sprachliche Gegenwart holen. Aus ihren Impulsen und letztlich aus ihrer Asche, so versprechen sie gleich zu Beginn, wird «eine adlerin geboren / natural born killer / in einer mäuschenwelt». Unerschrocken und mit einer klaren feministischen Botschaft lässt die Autorin die drei Pussycats ...
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Theater heute November 2021
Rubrik: Das Stück, Seite 52
von Katrin Ullmann
Es war ein lausiges Leben, das W. führen musste. Kurz war es auch (1780–1824), voller Erniedrigungen, Entbehrungen, bestimmt von Krieg und Gewalt. Und unerfüllter Liebe. Schließlich dann diese Tat, die unentschuldbar, möglicherweise doch erklärbar ist: blinde Eifersucht? Am 21. Juni 1821 ersticht Johann Christian Woyzeck die Witwe Johanna Woost.
«Stich, stich die...
Es ist eine gute Sache, wenn man Krankheiten frühzeitig entdeckt. Dann lässt sich noch was machen. Und für die Umgebung ist es auch praktisch, wenn man frühzeitig über den Gesundheitszustand des Gegenübers Bescheid weiß: Wenn klar ist, dass ein potenzieller Liebhaber den Hang zur Depression in sich trägt, dann verliebt man sich vielleicht besser nicht in ihn. Wenn...
Schwarze, geschlechtsneutrale Gewänder in nebeldüsterem, schwarzem Bühnenraum; nur ein dünner blauer Neonkreis – ein schmaler Sonnenrest? – hängt über der Bühne. Tastende Schritte einer eng zusammengedrängten Menschengruppe, die langsam, mit großen Pausen einzelne Wörter hervorstößt, von Mikroports hallig verstärkt. Irgendwann schleicht sich ein tiefes Brummen in...
