Die Verwandlung

Enis Maci verschweißt Kleist mit Russ Meyer in «WÜST oder Die Marquise von O. – Faster, Pussycat, Kill, Kill!», uraufgeführt von Elsa-Sophie Jach in Bremen. Der Stückabdruck liegt diesem Heft bei.

Wie ein zerbrechliches Porzellanpüppchen steht sie da, diese Marquise von O. Steht auf der Bühne wie bestellt und nicht abgeholt. Fest klammert sie ihre Hände an ihren Reifrock, während drei eigenwillige Ladies katzenhaft um sie herumstreifen. Abfällig wissend erzählen sie die Kleistsche Novelle aus dem Jahre 1808, die Geschichte von «julietta marquise von o-punkt». Oder zumindest das, was Enis Maci davon übrig gelassen hat. 

In ihrem Stück «WÜST oder die Marquise von O.

– Faster, Pussycat, Kill, Kill!» verschränkt die mehrfach ausgezeichnete Autorin Handlung und Figuren aus dem Kleist-Text mit Russ Meyers Schwarzweißfilm aus dem Jahre 1967. Nahezu reibungslos gelingt Maci die Verknüpfung zu einem schlüssigen Mashup. Dafür lässt sie die drei Pussycats – im Film sind es rattenscharfe Stripperinnen – auftreten und die Geschichte der Marquise von O. mit ironisch-kritischem Unterton in eine (nicht nur) sprachliche Gegenwart holen. Aus ihren Impulsen und letztlich aus ihrer Asche, so versprechen sie gleich zu Beginn, wird «eine adlerin geboren / natural born killer / in einer mäuschenwelt». Unerschrocken und mit einer klaren feministischen Botschaft lässt die Autorin die drei Pussycats ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2021
Rubrik: Das Stück, Seite 52
von Katrin Ullmann

Weitere Beiträge
Geheime Bindung

Belästigung, Erniedrigung, Psycho-Spielchen und sexuell übergriffiges Verhalten abseits der Bühne: So lauteten die Vowürfe, mit denen Jan Fabre von einer Gruppe ehemaliger Mitglieder seiner Antwerpener Kompanie Troubleyn in einem offenen Brief konfrontiert wurde, der im belgischen Kunstmagazin «Rekto:Verso» erschien. Unmittelbarer Auslöser des Protestschreibens war...

Superheld:innen

«Zorro» und «Wonder Woman», zwei überaus kämpferische Texte, kommen überraschenderweise als Clownsspiel daher. Vor allem der zweite – mit riesigen roten Clowns-Pantinen wackeln vier Frauen herein, die in der Folge die Geschichte eines grotesken Justizirrtums erzählen, der vor sechs Jahren Italien erschütterte und bis heute zum Aufregen ist. Eine junge Immigrantin...

Konkrete Überforderung

Kindheit und Jugend – das sind zwei verschiedene Phasen. Bonn Parks neues Jugendstück thematisiert diesen Bruch. «Bambi» – das ist die Kindheit, «Die Themen» – das ist das Ende der schönen Disney-Welt. «Bambi & Die Themen» knüpft an den Disney-Film von 1942 an, aber vor allem an die Katastrophen, die das Unschuldstier schon damals erleben musste: Tod der Mutter,...