Unter Räubern
Schick sieht das aus. Eine riesige Geschenkschleife hat Bühnenbildner Michael Köpke ins Kleine Haus des Theaters Bremen gestellt, protzig, hyperkünstlich, golden glänzend – man könnte fast glauben, dass endlich der von Ex-Intendant Hans-Joachim Frey beschworene Glanz an der Weser einzieht. Frey wollte das Vierspartenhaus zwischen 2007 und 2010 als Tummelplatz hanseatischer High Society zum gewinnbringenden Entertainmentunternehmen aufblasen – ein Vorhaben, das krachend (und extrem kostspielig) scheiterte.
Nach zwei künstlerisch halbwegs befriedigenden Interimsspielzeiten ist jetzt Michael Börgerding Intendant an der Weser, und der eröffnet programmatisch mit einer Dramatisierung von Thomas Melles kapitalismuskritischem Roman «Sickster» in der Regie von Felix Rothenhäusler. Humankapital in einer Welt, deren Wirtschaft zwar schon am Zusammenbrechen ist, dabei aber wenigstens noch ultracool aussieht – wie ein riesiges goldenes Geschenkband.
Rothenhäusler zeigt drei junge Menschen, die sich halbwegs mit dem System arrangiert haben und denen dennoch langsam die Felle wegschwimmen: den Manager Thorsten (Paul Matzke), seine Freundin Laura (Karin Enzler) und den Journalisten Magnus ...
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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Start Bremen, Seite 30
von Falk Schreiber
Wer 23 Jahre nach dem Mauerfall immer noch missmutig in west-östlichen Differenzen herumstochert, könnte als Lockerungsübung den Dresdner Theaterabend «Das normale Leben oder Körper und Kampfplatz» buchen. Denn der gemeine Sachse, legt diese dramatische Studie des Dänen Christian Lollike titelkonform nahe, laboriert an ganz ähnlichen Problemen wie seine Kollegen...
Die Geschichte beginnt an einer tristen Currywurstbude, die Bühnenbildnerin Maria-Alice Bahra mit schönem Realismus auf die Bühne des Großen Hauses in Hannover gebaut hat. Davor lungern die üblichen Verdächtigen, unsichtbare Gestalten, die Balladensänger der Straße, deren Antlitz man sofort vergisst, wenn man ihnen doch einmal zufällig in die Augen blickt.
Alles...
«Shakespeare. Spiele für Mörder, Opfer und Sonstige» nennt Dimiter Gotscheff seine neueste Inszenierung. Mörder und Opfer bei Shakespeare sind bekanntlich ein weites Feld – aber Sonstige? Mal sehen, hoffentlich nicht unter Sonstiges.
Wenn Thomas Schmauser auf der Bühne von 1 bis 52 zählt (derzeit an den Münchner Kammerspielen in «Gesäubert» von Sarah Kane),...
