Unsichtbar bleiben
Angesichts der fortschreitenden Gesetzlosigkeit nicht nur in den Straßen von Minneapolis war in Vergessenheit geraten, dass in sehr viel näherer Nachbarschaft, in der ursprünglichen Heimat vieler Türkinnen und Türken, die Mitbürgerinnen und Mitbür -ger geworden sind im Alltagsbild deutscher Dörfer und Städte, sehr oft kein Recht mehr herrscht, sondern Willkür und Verfolgung, ja staatlicher Terror gegenüber allen, die nicht einverstanden sind mit dem (gewählten) Regime des autoritären Potentaten Recep Tayyip Erdogan.
Nimmt der Polizeistaat hinter dem Bosporus mal einen deutschen Journalisten wie vor Jahren Denis Yücel ins Visier, ist die Aufregung natürlich groß; doch nur für kurze Zeit. Das Interesse verebbt danach schnell. Ein Roman wie «Kangal», 2022 vorgelegt von der Frankfurter Schrift -stellerin Anna Yeliz Schentke, steckt schon deshalb voller herausfordernder Informationen – und hilft uns aus der verbreiteten Ahnungslosigkeit, was den Zustand der zeitgenössischen Türkei betrifft. Auch darum muss die am Bielefelder Theater uraufgeführte Bühnenfassung des Buchs von Interesse sein – weil sie Geschichte und Gegenwart unserer Nachbarinnen und Nachbarn betrifft, geht sie auch ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Michael Laages
Der titelgebende Rausch braucht vier Akte, bis er endlich in Ufuk alles auslöscht. Der Alkohol, die Drogen, die Musik, das Bling-Bling, das rasende Auto in dieser Nacht in Saint-Tropez unter den Schönen und sehr Reichen, sie verdrängen sie endlich, die eigene Geschichte, die nicht enden wollende Heimatlosigkeit. Drei Akte lang hat Nuran David Calis, der Regisseur,...
Drei Frauen skandieren, leicht zeitversetzt, in drei verschiedenen Sprachen. Zwei frontal von der Bühne, eine oben im Rang. Sie fallen sich ins rhythmisch artikulierte Wort und zitieren, kaum verständlich, den polnischen Widerstandskämpfer und Holocaust-Augenzeugen Jan Karski, der 1943 dem US-Präsidenten Frank D. Roosevelt und anderen amerikanischen Würden -trägern...
Selbst am Anhaltischen Theater war der Student des Bauhaus in Dessau nur Wenigen bekannt. Was wohl auch daran liegt, dass seine Designs heute eher unter dem Schlagwort «Mid-Century» verkauft werden. Denn neben dem Funkhaus Nalepastraße in Berlin ist der Designer und Architekt Franz Ehrlich vor allem mit seiner Möbelserie 602 für die Werkstätten Hellerau bekannt...
