Unsichtbar bleiben

nach Anna Yeliz Schentke «Kangal» (U) am Theater Bielefeld

Theater heute - Logo

 

Angesichts der fortschreitenden Gesetzlosigkeit nicht nur in den Straßen von Minneapolis war in Vergessenheit geraten, dass in sehr viel näherer Nachbarschaft, in der ursprünglichen Heimat vieler Türkinnen und Türken, die Mitbürgerinnen und Mitbür -ger geworden sind im Alltagsbild deutscher Dörfer und Städte, sehr oft kein Recht mehr herrscht, sondern Willkür und Verfolgung, ja staatlicher Terror gegenüber allen, die nicht einverstanden sind mit dem (gewählten) Regime des autoritären Potentaten Recep Tayyip Erdogan.



Nimmt der Polizeistaat hinter dem Bosporus mal einen deutschen Journalisten wie vor Jahren Denis Yücel ins Visier, ist die Aufregung natürlich groß; doch nur für kurze Zeit. Das Interesse verebbt danach schnell. Ein Roman wie «Kangal», 2022 vorgelegt von der Frankfurter Schrift -stellerin Anna Yeliz Schentke, steckt schon deshalb voller herausfordernder Informationen – und hilft uns aus der verbreiteten Ahnungslosigkeit, was den Zustand der zeitgenössischen Türkei betrifft. Auch darum muss die am Bielefelder Theater uraufgeführte Bühnenfassung des Buchs von Interesse sein – weil sie Geschichte und Gegenwart unserer Nachbarinnen und Nachbarn betrifft, geht sie auch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2026
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Michael Laages

Weitere Beiträge
Steckenpferdparade

Ab der übernächsten Spielzeit sollen Clara Weyde, Bastian Lomsché und Clemens Leander die Leitung des Leipziger Schauspiels übernehmen. Dass ihr Konzept, ein Haus zu leiten, funktioniert, haben sie in den letzten vier Jahren am Theater Magdeburg gezeigt. Auch auf der Bühne arbeiten die drei – die Regisseurin, der Dramaturg und der Kostümbildner – immer wieder...

Wurzelgemüse der Vergangenheit

Am Ende bleibt die Erde als letzter, als einziger zuverlässiger Bote, der berichten kann, von dem, was geschah. Oder eben auch nicht geschah – im Schloss Rechnitz, Österreich, im April 1945. Elfriede Jelineks verschränkt in ihrem «Rechnitz (Der Würgeengel)» die Frage, was im Schloss der Gräfin Batthány in der Nacht zum 25. April 1945 mit den 180 jüdischen...

Ringen um Gleichgewicht

Was haben Asiawochen in einem Fastfood- Restaurant mit Völkermord zu tun? Wer käme darauf, beim Genuss eines Burgers mit exotischen Gewürzen oder einem Thai-Curry-Chicken an Kolonialismus und Imperialismus zu denken und sich deshalb gleich den Geschmack verderben zu lassen? Es gibt sie, diese Zusammenhänge, die man sich besser nicht auf der Zunge zergehen lassen...