Die großen Feuer
Weltuntergang gefällig? Oder wenigstens ein kleiner Zivilisationsbruch? So ein großes Feuer lässt sich kostengünstig herstellen und sieht eindrucksvoll aus – in echt wie auf der Bühne. Evi Bauer hat im Staatsschauspiel Hannover mit ein paar Dutzend wohlplatzierten Styroporblöcken, einem aufgestapeltem Fassadentorso und viel schwarzem Konfettiregen ein Ambiente zwischen Rom brennt und Kriegschaos arrangiert, das je nach passender Aufprojektion herrlich lodern bis lüstern glimmen kann.
Den Rest an der Untergangsillusion übernehmen fünf verstört darin herumstöbernde, über mehrere Ecken bekannte oder verwandte Überlebende – genauer: vier Nachlebende und ein Toter –, die sich um Erklärungen bemühen. Der Situation entsprechend bruchstückhaft.
Um mit dem Toten zu beginnen: Prof. Dr. Tomas Bock, seines Zeichens Historiker, Bestsellerautor und praktizierender Egoman. Er ist schon vor der Katastrophe gestorben – an ALS, einer hinterhältigen Muskelneuronenerkrankung, die durchaus metaphorisch zu verstehen ist. Dabei funktioniert die Impulsübertragung von Nerven an Muskeln nicht mehr, und der Körper hört auf, sich zu bewegen. Sozusagen totaler organischer Infrastrukturschaden. Dr. Bock sorgt ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille
KÖLN, MUSEUM LUDWIG
bis 2.8., Yayoi Kusama
Kusama (*1929, Matsumoto) zählt zu den bekanntesten Künstler:innen unserer Zeit. Ihre ikonischen Polka Dots, ihre Kürbisskulpturen und ihre verspiegelten Infinity Rooms sind ihrem Markenzeichen geworden. Die Ausstellung nimmt die Besucher:innen mit auf eine Reise durch Kusamas gesamtes Schaffen mit über 300 Arbeiten durch...
Die schwedische Comicautorin Liv Strömquist wurde international mit dem feministischen Band «Der Ursprung der Welt» (2014, deutsch 2017) bekannt, einer satirischen Kulturgeschichte der Vulva. Ihre jüngste Graphic Novel, «Das Orakel spricht» (2024), ist eine kleine Enzyklopädie der Ratgeber und Besserwisser. Das antike Orakel Pythia und die heilige Katharina treten...
Am Ende bleibt die Erde als letzter, als einziger zuverlässiger Bote, der berichten kann, von dem, was geschah. Oder eben auch nicht geschah – im Schloss Rechnitz, Österreich, im April 1945. Elfriede Jelineks verschränkt in ihrem «Rechnitz (Der Würgeengel)» die Frage, was im Schloss der Gräfin Batthány in der Nacht zum 25. April 1945 mit den 180 jüdischen...
