Die großen Feuer
Weltuntergang gefällig? Oder wenigstens ein kleiner Zivilisationsbruch? So ein großes Feuer lässt sich kostengünstig herstellen und sieht eindrucksvoll aus – in echt wie auf der Bühne. Evi Bauer hat im Staatsschauspiel Hannover mit ein paar Dutzend wohlplatzierten Styroporblöcken, einem aufgestapeltem Fassadentorso und viel schwarzem Konfettiregen ein Ambiente zwischen Rom brennt und Kriegschaos arrangiert, das je nach passender Aufprojektion herrlich lodern bis lüstern glimmen kann.
Den Rest an der Untergangsillusion übernehmen fünf verstört darin herumstöbernde, über mehrere Ecken bekannte oder verwandte Überlebende – genauer: vier Nachlebende und ein Toter –, die sich um Erklärungen bemühen. Der Situation entsprechend bruchstückhaft.
Um mit dem Toten zu beginnen: Prof. Dr. Tomas Bock, seines Zeichens Historiker, Bestsellerautor und praktizierender Egoman. Er ist schon vor der Katastrophe gestorben – an ALS, einer hinterhältigen Muskelneuronenerkrankung, die durchaus metaphorisch zu verstehen ist. Dabei funktioniert die Impulsübertragung von Nerven an Muskeln nicht mehr, und der Körper hört auf, sich zu bewegen. Sozusagen totaler organischer Infrastrukturschaden. Dr. Bock sorgt ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille
Am Ende bleibt die Erde als letzter, als einziger zuverlässiger Bote, der berichten kann, von dem, was geschah. Oder eben auch nicht geschah – im Schloss Rechnitz, Österreich, im April 1945. Elfriede Jelineks verschränkt in ihrem «Rechnitz (Der Würgeengel)» die Frage, was im Schloss der Gräfin Batthány in der Nacht zum 25. April 1945 mit den 180 jüdischen...
Da steht sie, als Professorengattin Jelena in Itay Tirans Inszenierung von «Onkel Wanja» am Schauspiel Köln. Trägt ein schwarzes Etuikleid, wiegt sich in ihren Pumps, umarmt sich selbst. Doch eine mädchenhafte, jugendliche Schönheit, wie Jelena sonst oft besetzt wird, ist sie nicht. Stattdessen umgibt die Schauspielerin Birgit Unterweger eine Aura von Reife,...
Nicht ein Clown, sondern viele: Ein ganzes Zirkusbestiarium bevölkert die Manege bei Antú Romero Nunes’ Inszenierung von Charles Dickens’ «Hard Times». Es gibt hier Tier-Mensch-Wesen, Artist:innen, Weißclowns, einen Dummen August und mittendrin einen Zirkusdirektor, den Cino Djavid mit Lispelstimme, schlecht sitzendem Anzug und extrem unvorteilhafter Perücke...
