Die großen Feuer
Weltuntergang gefällig? Oder wenigstens ein kleiner Zivilisationsbruch? So ein großes Feuer lässt sich kostengünstig herstellen und sieht eindrucksvoll aus – in echt wie auf der Bühne. Evi Bauer hat im Staatsschauspiel Hannover mit ein paar Dutzend wohlplatzierten Styroporblöcken, einem aufgestapeltem Fassadentorso und viel schwarzem Konfettiregen ein Ambiente zwischen Rom brennt und Kriegschaos arrangiert, das je nach passender Aufprojektion herrlich lodern bis lüstern glimmen kann.
Den Rest an der Untergangsillusion übernehmen fünf verstört darin herumstöbernde, über mehrere Ecken bekannte oder verwandte Überlebende – genauer: vier Nachlebende und ein Toter –, die sich um Erklärungen bemühen. Der Situation entsprechend bruchstückhaft.
Um mit dem Toten zu beginnen: Prof. Dr. Tomas Bock, seines Zeichens Historiker, Bestsellerautor und praktizierender Egoman. Er ist schon vor der Katastrophe gestorben – an ALS, einer hinterhältigen Muskelneuronenerkrankung, die durchaus metaphorisch zu verstehen ist. Dabei funktioniert die Impulsübertragung von Nerven an Muskeln nicht mehr, und der Körper hört auf, sich zu bewegen. Sozusagen totaler organischer Infrastrukturschaden. Dr. Bock sorgt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille
Wer war nochmal Friedrich Nietzsche? Ein Philosoph, der Gott für tot erklärte – und im Wahn in Turin ein gepeitschtes Pferd umarmte. Um anschließend, gewinnbringend ausgeschlachtet und dement, jahrzehntelang bei seiner antisemitischen Schwester dahinzuvegetieren.
Die Werkkenntnis des bekanntesten Philosophen des 20. Jahrhunderts kann heute nicht mehr ohne Weiteres...
Sind wir nicht alle Flaneure durch das kurze Leben, Schiffe zu einem Hafen, den wir nicht kennen, Gäste einer Herberge, bevor die Postkutsche des Abgrunds eintrifft? So schreibt es der portugiesische Dichter Fernando Pessoa, für den das wohl ganz besonders gilt. Sein «Buch der Unruhe» gelangte zu Weltruhm, obwohl es nur Fragmente enthält: Melancholische Aphorismen...
Selbst am Anhaltischen Theater war der Student des Bauhaus in Dessau nur Wenigen bekannt. Was wohl auch daran liegt, dass seine Designs heute eher unter dem Schlagwort «Mid-Century» verkauft werden. Denn neben dem Funkhaus Nalepastraße in Berlin ist der Designer und Architekt Franz Ehrlich vor allem mit seiner Möbelserie 602 für die Werkstätten Hellerau bekannt...
