Die großen Feuer
Weltuntergang gefällig? Oder wenigstens ein kleiner Zivilisationsbruch? So ein großes Feuer lässt sich kostengünstig herstellen und sieht eindrucksvoll aus – in echt wie auf der Bühne. Evi Bauer hat im Staatsschauspiel Hannover mit ein paar Dutzend wohlplatzierten Styroporblöcken, einem aufgestapeltem Fassadentorso und viel schwarzem Konfettiregen ein Ambiente zwischen Rom brennt und Kriegschaos arrangiert, das je nach passender Aufprojektion herrlich lodern bis lüstern glimmen kann.
Den Rest an der Untergangsillusion übernehmen fünf verstört darin herumstöbernde, über mehrere Ecken bekannte oder verwandte Überlebende – genauer: vier Nachlebende und ein Toter –, die sich um Erklärungen bemühen. Der Situation entsprechend bruchstückhaft.
Um mit dem Toten zu beginnen: Prof. Dr. Tomas Bock, seines Zeichens Historiker, Bestsellerautor und praktizierender Egoman. Er ist schon vor der Katastrophe gestorben – an ALS, einer hinterhältigen Muskelneuronenerkrankung, die durchaus metaphorisch zu verstehen ist. Dabei funktioniert die Impulsübertragung von Nerven an Muskeln nicht mehr, und der Körper hört auf, sich zu bewegen. Sozusagen totaler organischer Infrastrukturschaden. Dr. Bock sorgt ...
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Theater heute Juni 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille
Im Dezember las ich einen Rückblick auf 13 Jahre Gorki in der «Süddeutschen Zeitung». Der Rezensent würdigte das Projekt «Geschichten von Menschen mit Migrationserfahrungen», lobte die Diversität des Ensembles und hob die in seinen Augen wichtigen Regiehandschriften und Inszenierungen und Themensetzungen hervor. Dabei fiel in einem kleinen Nebensatz auch die...
Der titelgebende Rausch braucht vier Akte, bis er endlich in Ufuk alles auslöscht. Der Alkohol, die Drogen, die Musik, das Bling-Bling, das rasende Auto in dieser Nacht in Saint-Tropez unter den Schönen und sehr Reichen, sie verdrängen sie endlich, die eigene Geschichte, die nicht enden wollende Heimatlosigkeit. Drei Akte lang hat Nuran David Calis, der Regisseur,...
Lüneburg ist ein wichtiger Ort für die deutsche Vergangenheitsaufarbeitung. Hier fand 1945 mit dem Bergen-Belsen-Prozess die erste große juristische Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen statt und 2015 mit dem Prozess gegen Oskar Gröning, den damals 93-jährigen «Buchhalter von Auschwitz», wahrscheinlich eine der letzten. Außerdem wurde hier schon im Mai 1945 die...
