Unheil am Stück

Dea Loher «Unschuld» (Staatstheater Kassel, Schauspielhaus)

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Dea Lohers Territorium ist das Leben der be­ladenen Menschen, die manchmal dann doch einen gewissen Witz ihr eigen nennen. Frau Zucker ist so eine. Ihr Bein fault allmählich, trotzdem kommt immer mal wieder dieses lakonische «Wäre ich Tankwart, genügte eine Zigarette». Oder die illegalen schwarzen Immigranten Elisio und Fadoul, die am Strand so lange über eine gerade ertrinkende Frau sprechen, bis sie anscheinend tatsächlich ertrunken ist. Dea Loher bietet Unheil am Stück, mildert die Last des Schicksals aber dadurch, dass die Beladenen nicht alleine sind.

In der Begegnung könnte selbst dann noch Hoffnung lauern, wenn eine wie Frau Habersatt sich als Mutter eines Mörders ausgibt und bei den Hinterbliebenen des Opfers um Vergebung bittet. 

 

Das ist eine der Unheilvarianten im Leben von Lohers einsamen Menschen, die so überraschend sind wie die Kleiderwände, die die Kasseler Bühne (Daniel Roskamp) flächendeckend begrenzen. Unter den amorphen Patchworkwänden erstreckt sich eine knöcheltiefe Wasserfläche, was insofern nachvollziehbar ist, als «Unschuld» ja in einer Stadt am Meer spielt. Da kann es bodennah schon mal etwas feuchter zugehen als im Binnenland. In diesem Feuchtgebiet ...

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Theater heute Mai 2010
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Jürgen Berger

Vergriffen
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