Und was wird aus meinem Fleisch?
Jedem der Stücke von Elfriede Jelinek geht ein fassbarer Schreibanlass voraus. Das ist nicht erst offenkundig, seit sie diesen das eine oder andere Mal auch einfach drüber schreibt und Sekundärdramen verfasst wie «Abraumhalde» (zu Lessings «Nathan der Weise»), «FaustIn and Out» (zu Goethes «Faust») oder «Rein Gold» (zu Wagners «Ring des Nibelungen»).
Meist aber ist die Wirklichkeit ihr direktes Bezugssystem: die globale Wirtschaftskrise zum Beispiel, an der sie sich seit «Die Kontrakte des Kaufmanns» noch immer in vielen Fortschreibungen abarbeitet, oder zuvor der Irak-Krieg der Bush-Familie («Bambiland»), der Einsturz des Kölner Stadtarchivs oder oder oder. Auch wenn schon alles in Schutt und Asche liegt, zündelt sie an den Walhallas des Jen- und Diesseits. Sie kehrt den Dreck zurück ins Getriebe. Gerade da, wo alles relativierend oder schockstarr oder kapitulierend oder Augen verschließend schweigt, da schreibt sie. Und findet eine Sprache und eine Form.
Auch bei «Tod-krank.Doc» gibt es diesen Anlass. Anfang 2008 wurde bei Christoph Schlingensief Lungenkrebs diagnostiziert, 2010 sollte er an den Folgen der Erkrankung sterben. In den beiden Jahren vor seinem Tod verarbeitete ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 172
von Benjamin von Blomberg
Er hat einfach zu viel erlebt in seiner Laufbahn. Das Problem mit ihm ist, dass er bereits siebzig Jahre existiert und den Erfahrungshorizont eines Siebzigjährigen hat, aber im Körper eines Neunzehnjährigen gefangen ist. Er ist inzwischen keine Projektionsfläche mehr, sondern ein vielschichtiger Charakter. Das können wir nicht brauchen.»
New York City im Jahr 1941....
Karin Beier, Stefan Bachmann und Armin Petras haben alle schon ein Theater geleitet. Und starten 2013 in ihre zweiten Intendanzen. Dabei ist der Beruf zwischen Theaterbetrieb, Kulturpolitik und künstlerischem Anspruch nicht einfacher geworden. Was wird im zweiten Anlauf anders? Welche Erfahrungen nimmt man mit? Welche Fehler will man kein zweites Mal machen? Und...
Frau Luckerniddle war nicht zu übersehen. Die stets leicht vorgebeugte Pavianpose, mit der sie ihr Hinterteil in die Luft bohrte, dazu das schwarz geschminkte Gesicht, an dessen Rändern die helle Haut der Schauspielerin Isabelle Menke zu sehen war, die Afroperücke, Ethnoklamotten, der starke französische Akzent: Anscheinend wurde hier ziemlich brachial eine...
