Überschreibung, schwere Schreibung
Ein Alptraum in stechendem Mittelhellblau. Wer das Gutshaus im «Apfelgarten», einer launigen «Kirschgarten»-Überschreibung erstaunlich unfrei nach Tschechow von Dörte Hansen und (Regisseur) Antú Romero Nunes betritt, sollte seine Farbempfindlichkeit stark herunterschrauben. Das grelle Setting mit meterhohen Wänden in steriler Wandfarbe (Matthias Koch) signalisiert von Anfang an, dass hier nicht mit muffigen Nostalgiewolken zu rechnen ist, und auch die szenische Lautstärke steht auf Volume max.
Die Ranjewskaja-Sippe um ihr verschwenderisch-bankrottes Zentralgestirn heißt hier von Holt, aus dem «Kirsch-» wurde ein «Apfelgarten» im Alten Land hinter Hamburg, und statt in die Pariser Salons des Fin des Siècle flieht Astrid von Holt nach Berlin der Liebe und der Kunstszene wegen. Geblieben ist die Pleite und der neureiche Immobilienentwickler (Torben), dessen Vater einst auf dem Gutshof gewerkelt hat und der nun das Gelände parzellieren will, um «Tiny Houses» aufzustellen. Ein paar Nebenfiguren sind zusammengelegt, die Personal-Sparrunde überlebt haben der ewige, altgewordene Student (Denis, or -ganisiert Achtsamkeits-Workshops), der persönliche Referent und Lover von Astrid (Alex, ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Franz Wille
Prolog inklusive, sind 77 Stückchen Welt und Wahn zu entdecken im schriftstellerischen Debüt von Veit Sprenger, der 1997 das Per -formance-Kollektiv «Showcase Beat Le Mot» mitbegründet hat und bis heute unterwegs ist mit dem Ensemble. 77 tatsächliche Welten sind versammelt, weil Sprengers Kurz- und Kürzest-Geschichten durchweg in irgendeiner Art von Realität...
Sie sind die gar nicht so heimlichen Publikumsmagneten: Solo-Inszenierungen für Schauspieler:innen, die die ganze Palette ihres Könnens auspacken, sich dafür aber auch in der ungeteilten Aufmerksamkeit des Publikums sonnen können. Noch als Intendant am Schauspiel Frankfurt hat Oliver Reese als vielleicht erster in seiner Inszenierung «Die Blechtrommel» mit Nico...
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