Überschreibung, schwere Schreibung
Ein Alptraum in stechendem Mittelhellblau. Wer das Gutshaus im «Apfelgarten», einer launigen «Kirschgarten»-Überschreibung erstaunlich unfrei nach Tschechow von Dörte Hansen und (Regisseur) Antú Romero Nunes betritt, sollte seine Farbempfindlichkeit stark herunterschrauben. Das grelle Setting mit meterhohen Wänden in steriler Wandfarbe (Matthias Koch) signalisiert von Anfang an, dass hier nicht mit muffigen Nostalgiewolken zu rechnen ist, und auch die szenische Lautstärke steht auf Volume max.
Die Ranjewskaja-Sippe um ihr verschwenderisch-bankrottes Zentralgestirn heißt hier von Holt, aus dem «Kirsch-» wurde ein «Apfelgarten» im Alten Land hinter Hamburg, und statt in die Pariser Salons des Fin des Siècle flieht Astrid von Holt nach Berlin der Liebe und der Kunstszene wegen. Geblieben ist die Pleite und der neureiche Immobilienentwickler (Torben), dessen Vater einst auf dem Gutshof gewerkelt hat und der nun das Gelände parzellieren will, um «Tiny Houses» aufzustellen. Ein paar Nebenfiguren sind zusammengelegt, die Personal-Sparrunde überlebt haben der ewige, altgewordene Student (Denis, or -ganisiert Achtsamkeits-Workshops), der persönliche Referent und Lover von Astrid (Alex, ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Franz Wille
und schlägt, schlägt «scheiße» schreiend, da die türe zu, die raus führt ins foyer. und hört man durch die tür, von draußen hört man noch den unmut des besuchers, dem das geschehen da im bühnenraum so wenig ruhe ließ, dass er nicht anders konnte, als den saal dann zu verlassen. nicht ohne es, das publikum, und die akteurInnen da oben auf der bühne seinen unmut über...
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Finster geht es zu am Meeresgrund, und das nicht nur, weil keine Sonne durchdringt. Auch emotional wird’s höchstens grau. Man entsteht halt, treibt ein bisschen Symbiose, frisst wen auf und wird gefressen. Schlechtgelaunte Zeitgenoss:innen könnten es dabei belassen, weil es spätestens in kosmischem Maßstab ja auch die Menschheit hier oben nicht besser hat: ein...
