Überforderung der Perspektivlosen
«Warum eigentlich immer die Türken?», fragt der vierzehnjährige türkische Junge hinter mir leise, dann verfällt er wieder – ebenso wie die restlichen Schüler dreier Schulformen (Haupt- und Realschule und Gymnasium) – in gebanntes Schweigen. Und das für eineinhalb Stunden im Theater. Hut ab.
«Dream Team» von Lutz Hübner schafft es, Jugendliche aus den verschiedensten Milieus zu erreichen – mit lässig unangestrengten Dialogen und einer Grundsituation, die jedem vertraut ist: Überforderung und ihre Folgen.
Tom hat (eher versehentlich) ein iPhone geklaut, und zwar dummerweise das der Tochter seines Chefs, Herrn Schmitz. Das Problem ist, dass dieser ihn auch sofort im Blick hat und ihm mit Rausschmiss droht. Um den Verdacht von sich abzulenken, schmiedet Tom einen Plan, in dem sein gerade aus dem «Bau» entlassener Freund Bruno am Telefon einen Türken spielen soll, der Geld für die iPhone-Übergabe verlangt. Alles scheint zu klappen, doch dann steht plötzlich Herr Schmitz vor der Tür … Bruno sieht bald rot und schlägt zu. So landet Herr Schmitz blutend und gefesselt an der Heizung. Er erkennt, dass den Jungs die ganze Sache komplett aus dem Ruder gelaufen ist und bastelt geistesgegenwärtig ...
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Wer hätte gedacht, dass Shakespeares Hamlet einmal die Herausforderungen einer Weltfinanzkrise bestehen muss? Ausgerechnet Hamlet, einer der ersten dramatischen Europäer, der anfängt, auf offener Bühne über sich nachzudenken und prompt zu keinem klaren Entschluss mehr findet. Ausgerechnet Hamlet, der nicht einmal den Mord an seinem Vater rächen kann, ohne ein...
Auch wenn die Größenverhältnisse andere sind, so verhält es sich mit dieser Sunnyi Melles auf der Zürcher Pfauenbühne doch gerade so wie mit einer gewissen Nicole Kidman in einem Film namens «Australia»: Da wird eine Diva gewordene Lichtgestalt, ein Geschöpf, an Körper wie an Benehmen ganz und gar vornehm, ein Wesen, so hell und zart und zerbrechlich, plötzlich zur...
Seit 19 Jahren leitet René Gonzales das Théâtre de Vidy in Lausanne und hat es zu einer in Europa einzigartigen Produktionsstätte gemacht. Das Haus hat kein eigenes Ensemble, aber es produziert und koproduziert unentwegt – bis zu drei Dutzend Inszenierungen sind pro Spielzeit zu sehen, und mit den vielen Gastspielen in aller Welt kommt das Theater auf gut 400...
