Sie spielen ja nur
Die gute alte Brecht-Gardine hat sich auf deutschen Bühnen längst flächendeckend zum gern genutzten Raumkonzept aufgebläht: als verlängerter Zuschauerraum, Tonstudio, Probebühne, Theater-auf-dem-Theater-Setting, das die Vorgänge in Anführungszeichen setzt, als müsste man noch immer der Gefahr des romantischen Glotzens rigoros entgegenwirken; als wüchse die unsichtbare vierte Wand auf der Stelle an der Rampe hoch, setzte man nicht deutlich das Signal: Achtung, wir spielen doch nur.
Stimmt immer und kommt oft über die Verlegenheitslösung nicht hinaus.
Bei den beiden ersten Hannover-Premieren im neuen Jahr aber hat die Produktionssituation als szenischer Rahmen tatsächlich inhaltliche Bedeutung: In David Martons musikalischer «Lulu»-Collage ist Alissa Kolbuschs Bühne, ein über vier Etagen getürmtes, abgewracktes Fantasy-Tonstudio, der adäquate Show-Room für ein Konzept, das aus Wedekinds «Lulu», einer Männerfantasie, ein «Making of ‹Lulu›» macht. Und in Ingmar Bergmans Fernsehfilm von 1983 «Nach der Probe», den Luk Perceval wiederbelebt, ist eine mit Requisiten vom «Hedda-Gabler-Sofa» bis zur Zimmerpalme vollgerümpelte Bühne der realistische Raum für ein psychologisches ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es geht um den Krieg an sich und Figuren, die in heutigen kriegerischen Situationen eine Rolle spielen können. Der Marineinfanterist Tom zum Beispiel könnte in einem Nato-Einsatz unterwegs sein. Scharfschütze Sky dagegen würde sein «Geschäft» aus dem Hinterhalt wohl eher in bürgerkriegsähnlichen Situationen ohne NATO-Beteiligung erledigen. Tom allerdings hat genug...
Auch wenn die Größenverhältnisse andere sind, so verhält es sich mit dieser Sunnyi Melles auf der Zürcher Pfauenbühne doch gerade so wie mit einer gewissen Nicole Kidman in einem Film namens «Australia»: Da wird eine Diva gewordene Lichtgestalt, ein Geschöpf, an Körper wie an Benehmen ganz und gar vornehm, ein Wesen, so hell und zart und zerbrechlich, plötzlich zur...
TH Christoph Schlingensiefs Produktion «Die Kirche der Angst vor dem Fremden in mir» ist mit weit über 400.000 Euro die teuerste Produktion, die es je beim Theatertreffen gab. Kann sich das Festival das leisten?
Iris Laufenberg Mit Hilfe der Ruhrtriennale und durch die persönliche Unterstützung von Christoph Schlingensief konnten wir die Kosten runterrechnen. Das...
