Opfer der Freiheit
Es ist vielleicht keine besonders sozialdemokratische Aussage, aber es gibt schon Menschentypen, die sehr viel langweiliger sind als andere. Dazu gehört zum Beispiel die gut abgefundene Ex-Frau, die ihre innere Leere mit Shoppen von Luxusklamotten übertünchen möchte, die naive Verkäuferin, die manchmal auch ganz schmutzige Gedanken hat, oder die einsame Tante, die in blasser Kaufhaus-Garderobe Aufmerksamkeit nur noch durch ihren Hund erregt.
Das besondere Merkmal dieser erschöpften Opfer der Freiheit ist in der Regel, dass sie der Welt nichts Bedeutendes mitzuteilen haben, zumindest, wenn man nach inspirierenden Gedanken sucht.
Gabriele Kögl hat aus diesem Personal trotzdem ein Theaterstück gemacht, das Kristo Sagor in einer Koproduktion der Ruhrfestspiele Recklinghausen und des Hamburger Schauspielhauses urinszenierte. Die österreichische Autorin, die zuletzt in ihrem Roman «Mutterseele» eine alte Bäuerin im inneren Monolog vor sich hin geifern ließ, skizziert in «Fressen, Kaufen, Gassi gehen» die schlechte Laune der Unzufriedenen bei der Anprobe und im Park. Verlassene Menschen ohne Vorstellungen von einem besseren Leben reden, bis sie dann in einer etwas unverständlichen ...
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