Überall das Böse
Katastrophen brechen den Menschen das Genick, und wer sie überlebt, der bricht mit menschlichen Werten. Krieg ist so eine Katastrophe. Oder «Das Erdbeben in Chili» von Kleist. Oder das Massaker in David Greigs Terror-Recherchestück «Die Ereignisse».
Das Zinzendorfhaus ist – wie die Stadt Basel seit dem Erdbeben von 1356 insgesamt – ein katastrophenfreier Ort. Hier predigen sonst Herrnhuter, jetzt singt der Kammerchor Notabene ein Kyrie, dann ein norwegisches Kaffeequatschlied, was erst eine Spur vergeistigt, dann eine Spur albern klingt. Aber in jedem Fall friedfertig.
Bis zu der Sekunde, als Der Junge (Elias Eilinghoff) den Einsatz verweigert. «Ja» und «takk», ja und danke, das bringt er nicht über die Lippen. Eher schon die Prognose, jeder würde einem Aboriginejungen, der die ersten Entdeckersegel an der Küste sichtet, raten: «Töte sie, töte sie alle.» Ein Spreng-Satz in diesem lichten barocken Saal, wo alle Seelen unschuldsweiß lackiert scheinen.
Das Theater Basel hat David Greigs analytisches Opfer-Attentäter-Stück «Die Ereignisse» von 2011 aufgegriffen. Premiere war im Theater Basel, danach tourt das Stück durch städtische Versammlungsräume und bietet für jede Vorstellung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Stephan Reuter
An dieser Stelle zu Ihnen zu sprechen, fasse ich als den Vorschlag auf, Peter Szondi und seine literaturwissenschaftliche Lehre mit der heutigen Lage der Kunst-, zumal, wie es mir naheliegt, der Theaterwissenschaft, in Beziehung zu setzen. Das Wort «Lehre» möchte ich dabei in seinem weitesten und klassischen Widerhall verstanden wissen. Szondi war ein Meister, der...
Es heißt ja immer, dass Kunst ihrer Zeit voraus eilen solle, dass sie im besten Falle die Wirklichkeit kennt, noch ehe diese sich selbst vollständig durchdringt. In diesem Sinne hatte Volker Lösch seine große Stunde 2004 am Staatsschauspiel Dresden, unter Intendant Holk Freytag, mit seiner Adaption der «Weber» von Gerhart Hauptmann. Die zündelnden Hassparolen des...
Was für ein Plot: Demente Großmutter freundet sich mit der ukrainischen Nachbarin an, die zum Islam konvertiert, einen arabischen Kochkurs absolviert und ihn kräftig mit ihrem Küchenradio untermalt. Daraufhin bekommt die Oma Ärger mit ihrer Tochter, die keine laute Musik mag und außerdem bald feststellen muss, dass auch noch ihr Sohn verschwunden ist. Schon steht...
