Das Kunstwerk als Individuum

Eine Rede auf Peter Szondi: Was die Kunstkritik, die Theater- und Literaturwissenschaft von einem noblen Philologen heute wieder lernen kann

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An dieser Stelle zu Ihnen zu sprechen, fasse ich als den Vorschlag auf, Peter Szondi und seine literaturwissenschaftliche Lehre mit der heutigen Lage der Kunst-, zumal, wie es mir naheliegt, der Theaterwissenschaft, in Beziehung zu setzen. Das Wort «Lehre» möchte ich dabei in seinem weitesten und klassischen Widerhall verstanden wissen.

Szondi war ein Meister, der keine Imitatoren heranziehen, sondern die verschiedenartigsten Geister befähigen wollte und konnte, mithilfe strenger Selbstdisziplin und radikaler Hingabe an den Gegenstand ihrer Arbeit ihren je eigenen Weg zu finden und zu gehen. Darum war es eine Lehre, für die ihm viele zu danken haben – keine Schule.

Es soll um einige Grundgesten seines Denkens gehen, kaum dagegen um die Seite der Institution. Denn zunächst ist der Name Peter Szondi, den das Berliner Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft trägt, in Deutschland rasch eine Art Synonym für dieses Fach geworden. Das Szondi-Institut, wie man in den 1960er Jahren schon ganz selbstverständlich sagte, ist, meine ich, 1965 so ziemlich entgegen den institutionellen Regelungen nur für ihn gegründet worden. Szondi war die Ausnahme, von Anfang an. Wem ...

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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Essay, Seite 47
von Hans-Thies Lehmann

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