Neues vom Welttheater
Was für ein Plot: Demente Großmutter freundet sich mit der ukrainischen Nachbarin an, die zum Islam konvertiert, einen arabischen Kochkurs absolviert und ihn kräftig mit ihrem Küchenradio untermalt. Daraufhin bekommt die Oma Ärger mit ihrer Tochter, die keine laute Musik mag und außerdem bald feststellen muss, dass auch noch ihr Sohn verschwunden ist. Schon steht ein Kommissar vor der Tür, der den Sohn verdächtigt, mit einem Freund über die Türkei nach Syrien zum IS gefahren zu sein.
Daraufhin machen sich alle auf den Weg zur örtlichen Moschee, dem vermeintlichen Epizentrum des Bösen, wo sich nach eingehenden Diskussionen mit dem Imam schließlich herausstellt, dass die jungen Männer zwar fleißig den Koran studieren und in die Türkei gereist sind, aber nur, um an einem pazifistischen Sufi-Workshop teilzunehmen. Soweit die stark geraffte Kernhandlung von Ibrahim Amirs «Stirb, bevor du stirbst».
Ibrahim Amirs Missverständnis-Komödie hat einen starken, laut knatternden dramaturgischen Motor: Jeder hat vom anderen immer nur ein kulturelles Klischee im Kopf, aber die Menschen sind komplizierter. Und so fällt von Szene zu Szene jeder zuverlässig auf jeden rein, beziehungsweise auf die ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Neue Stücke, Seite 24
von Franz Wille
Die Feier des 80. Geburtstags des früheren Kammerspielintendanten Dieter Dorn rief die Erinnerung an einen heftigen Konflikt zwischen Theaterintendant und Kulturpolitik wach, in dem ich nolens volens eine Rolle spielte. Erneut wurde eine Legende erzählt, die auch durch ständige Wiederholung nicht wahrer wird. Da die damaligen Vorgänge durchaus exemplarisch sind,...
«Bondy hat sich etwas Jungenhaftes bewahrt.
Er ist wie ein ewiger Student.
Und er nimmt sich selbst nicht ernst.»
Michel Piccoli
Im luxuriösen, zugleich etwas hermetischen bundesrepublikanischen Theaterbetrieb der Achtziger gab es unter Eingeweihten und solchen, die dazugehören wollten, die Attitüde, sehr gängige Vornamen mit dem bestimmten Artikel zu versehen: der...
«It’s a man’s world», röhrt Michael Wittenborn, der Moderator der Briest-Radio-Show, ins Mikro. Ja, it’s a man’s world, in der Fontanes Effi Briest vor rund 120 Jahren in einer arrangierten Ehe mit dem Langweiler von Instetten auf dem Land verödet und mit dem Filou Major Crampas zur Seite springt, der, als die flüchtige Affäre Jahre später auffliegt, vom entehrten...
