Neues vom Welttheater

Ibrahim Amir spielt in Köln mit kulturellen Missverständnissen, Konstantin Küspert blättert in Regensburg mehrere Paralleluniversen auf, und Ferdinand Schmalz’ «der herzerlfresser» wird in Leipzig und Berlin aufgeführt

Theater heute - Logo

Was für ein Plot: Demente Großmut­ter freundet sich mit der ukrainischen Nachbarin an, die zum Islam konvertiert, einen arabischen Kochkurs absolviert und ihn kräftig mit ihrem Küchenradio untermalt. Daraufhin bekommt die Oma Ärger mit ihrer Tochter, die keine laute Musik mag und außerdem bald feststellen muss, dass auch noch ihr Sohn verschwunden ist. Schon steht ein Kommissar vor der Tür, der den Sohn verdächtigt, mit einem Freund über die Türkei nach Syrien zum IS gefahren zu sein.

Daraufhin machen sich alle auf den Weg zur örtlichen Moschee, dem vermeintlichen Epizentrum des Bösen, wo sich nach eingehenden Diskussionen mit dem Imam schließlich her­ausstellt, dass die jungen Männer zwar fleißig den Koran studieren und in die Türkei gereist sind, aber nur, um an einem pazifistischen Sufi-Workshop teilzunehmen. Soweit die stark geraffte Kernhandlung von Ibrahim Amirs «Stirb, bevor du stirbst».

Ibrahim Amirs Missverständnis-Komödie hat einen starken, laut knatternden dramaturgischen Motor: Jeder hat vom anderen immer nur ein kulturelles Klischee im Kopf, aber die Menschen sind komplizierter. Und so fällt von Szene zu Szene jeder zuverlässig auf jeden rein, beziehungsweise auf die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2016
Rubrik: Neue Stücke, Seite 24
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Festival

Das Erste, was wir von diesem Festival sehen, ist ein Penis. Der gehört zu einem Darsteller hinter einer Papp-Wand, von dem nur der Schwanz in einer runden Aussparung zu erkennen ist. Ein Spot beleuchtet das Geschlecht, das sich zwischendurch aufrichtet und dann wieder erschlafft. An der Bühnenrampe steht zeitgleich ein junger Mann vor einem Mikrofon, mit dem...

Immer lächeln

Wer als Kind mal ein Filmstudio besichtigt hat, erinnert sich an das große Staunen vor dem ersten Blue- oder Greenscreen: Der Wettermann, wahlweise King Kong, steht nicht etwa vor der Wetterkarte oder in New York, sondern schlicht vor einer monochromen Wand – der Rest ist Technik. Der Regisseur Amir Reza Koohestani holt diesen nicht ganz taufrischen Wow-Effekt nun...

Auf die Palme

Der Prinz hat, nachdem er die Arme zu einer imaginären Umarmung geschlossen hat, seinen Hitz- und Kindskopf in den Sand gesteckt. Dorthin, wo aus einem Erdhaufen der eherne Arm einer gestürzten Siegesgöttin mit Lorbeerkranz hervorragt. Er ist fix und fertig – und wir mit ihm, kaum dass es für die nächsten dreieinhalb Stunden begonnen hat. Da kann Torsten Flassig...