Neues vom Welttheater
Was für ein Plot: Demente Großmutter freundet sich mit der ukrainischen Nachbarin an, die zum Islam konvertiert, einen arabischen Kochkurs absolviert und ihn kräftig mit ihrem Küchenradio untermalt. Daraufhin bekommt die Oma Ärger mit ihrer Tochter, die keine laute Musik mag und außerdem bald feststellen muss, dass auch noch ihr Sohn verschwunden ist. Schon steht ein Kommissar vor der Tür, der den Sohn verdächtigt, mit einem Freund über die Türkei nach Syrien zum IS gefahren zu sein.
Daraufhin machen sich alle auf den Weg zur örtlichen Moschee, dem vermeintlichen Epizentrum des Bösen, wo sich nach eingehenden Diskussionen mit dem Imam schließlich herausstellt, dass die jungen Männer zwar fleißig den Koran studieren und in die Türkei gereist sind, aber nur, um an einem pazifistischen Sufi-Workshop teilzunehmen. Soweit die stark geraffte Kernhandlung von Ibrahim Amirs «Stirb, bevor du stirbst».
Ibrahim Amirs Missverständnis-Komödie hat einen starken, laut knatternden dramaturgischen Motor: Jeder hat vom anderen immer nur ein kulturelles Klischee im Kopf, aber die Menschen sind komplizierter. Und so fällt von Szene zu Szene jeder zuverlässig auf jeden rein, beziehungsweise auf die ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Neue Stücke, Seite 24
von Franz Wille
Katastrophen brechen den Menschen das Genick, und wer sie überlebt, der bricht mit menschlichen Werten. Krieg ist so eine Katastrophe. Oder «Das Erdbeben in Chili» von Kleist. Oder das Massaker in David Greigs Terror-Recherchestück «Die Ereignisse».
Das Zinzendorfhaus ist – wie die Stadt Basel seit dem Erdbeben von 1356 insgesamt – ein katastrophenfreier Ort. Hier...
Aufführungen
Auf die Sitzwürste im neuen rauen Asphaltambiente der Berliner Volksbühne lädt Frank Castorf im Januar zu Hebbels mörderischer «Judith». Vordergründig zivilisierter geht es
vermutlich am Deutschen Theater zu, wenn Karin Henkel mit Eugène Labiches «Die Affäre Rue de Lourcine» hinter die Fassade des Bürgertums blickt. Am Gorki Theater hat sich
Hakan...
Das Erste, was wir von diesem Festival sehen, ist ein Penis. Der gehört zu einem Darsteller hinter einer Papp-Wand, von dem nur der Schwanz in einer runden Aussparung zu erkennen ist. Ein Spot beleuchtet das Geschlecht, das sich zwischendurch aufrichtet und dann wieder erschlafft. An der Bühnenrampe steht zeitgleich ein junger Mann vor einem Mikrofon, mit dem...
