Neues vom Welttheater
Was für ein Plot: Demente Großmutter freundet sich mit der ukrainischen Nachbarin an, die zum Islam konvertiert, einen arabischen Kochkurs absolviert und ihn kräftig mit ihrem Küchenradio untermalt. Daraufhin bekommt die Oma Ärger mit ihrer Tochter, die keine laute Musik mag und außerdem bald feststellen muss, dass auch noch ihr Sohn verschwunden ist. Schon steht ein Kommissar vor der Tür, der den Sohn verdächtigt, mit einem Freund über die Türkei nach Syrien zum IS gefahren zu sein.
Daraufhin machen sich alle auf den Weg zur örtlichen Moschee, dem vermeintlichen Epizentrum des Bösen, wo sich nach eingehenden Diskussionen mit dem Imam schließlich herausstellt, dass die jungen Männer zwar fleißig den Koran studieren und in die Türkei gereist sind, aber nur, um an einem pazifistischen Sufi-Workshop teilzunehmen. Soweit die stark geraffte Kernhandlung von Ibrahim Amirs «Stirb, bevor du stirbst».
Ibrahim Amirs Missverständnis-Komödie hat einen starken, laut knatternden dramaturgischen Motor: Jeder hat vom anderen immer nur ein kulturelles Klischee im Kopf, aber die Menschen sind komplizierter. Und so fällt von Szene zu Szene jeder zuverlässig auf jeden rein, beziehungsweise auf die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2016
Rubrik: Neue Stücke, Seite 24
von Franz Wille
Die Thailänderin Jen kniet mit ihrem amerikanischen Ehemann vor dem buddhistischen Schrein der zwei Göttinnen und bringt kleine Figurinen als Opfergaben dar: einen Geparden für ihr krankes Bein, einen Gibbon-Affen für starke Glieder und einen Tiger für die Kraft ihres neuen Sohnes Itt. «Wir haben einen neuen Sohn?», fragt ihr Ehemann verwundert. «Er ist ein guter...
Der erste Tag in einer neuen Firma ist immer schwierig. Man weiß nicht, wem man vertrauen kann, man hat die firmeninternen Hierarchien noch nicht verinnerlicht, man fürchtet, in Intrigennetzwerke einzubrechen. Also stolpert man verunsichert durch den Arbeitstag, ständig in Angst, etwas falsch zu machen. Der erste Tag in der Hamburger Filiale von Söhne & Söhne...
Aufführungen
Auf die Sitzwürste im neuen rauen Asphaltambiente der Berliner Volksbühne lädt Frank Castorf im Januar zu Hebbels mörderischer «Judith». Vordergründig zivilisierter geht es
vermutlich am Deutschen Theater zu, wenn Karin Henkel mit Eugène Labiches «Die Affäre Rue de Lourcine» hinter die Fassade des Bürgertums blickt. Am Gorki Theater hat sich
Hakan...
