Typen und Toupets
Mal angenommen, Theater funktionierte wie Fernsehen, und die Kundschaft könnte sich durch den Abend zappen, hin und her zwischen Stück und Stück: vom Wissenschaftskrimi zum Melodram, vom Trauerspiel zur Klamotte, vom Kleine-Leute-wollen-hoch-hinaus-Drama direkt mitten mang die Bösewichter im Mafia- und Killer-Thriller.
So ähnlich ist «Die Dummheit» konzipiert und strukturiert, das höchst absonderliche Stück des argentinischen Dramatikers Rafael Spregelburd, der vor Jahren, zu Beginn der Intendanz von Tom Stromberg am Schauspielhaus in Hamburg, ebenda mit der Arbeit an einem Zyklus begonnen hatte, der sich im weitesten Sinne mit den «Sieben Todsünden» beschäftigen wollte. «Die Dummheit» ist Teil 4 davon; Friederike Heller zeigte das Stück noch kurz vor Zapfensteich der vorigen Saison am Staatstheater in Stuttgart.
Spregelburd führt darin nicht etwa exemplarisch «dumme» Menschen vor – eher passt auf das gute halbe Dutzend Geschichtchen, die er parallel abspult, das laxe Motto: «Dumm gelaufen!» Da gibt es zum Beispiel einen windigen Deal um ein zum Zwecke versicherungstechnischer Mehr-Wertschöpfung zum Schein geklautes, ausgeblichenes Bild, auf dem praktisch nichts mehr zu sehen ist, ...
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