Küchenlatein
Während des Frühstücks am Morgen danach, als das Grübeln über den passenden Einstieg für die Theaterkritik die nötige Aufmerksamkeit beim Vorgang des Toastens absorbiert, flammt die Idee von selbst auf: in dem Moment nämlich, als die Brotscheiben verkohlt aus dem Röster springen. Genau das passiert auch Stuart, «Stupid Stuart» McQuarrie, dem «schlaffen Scheißsack» und Helden aus Anthony Neilsons Stück.
Wenn das kein «Realismus» ist! Womit dank eigener Unachtsamkeit der Titel des Schauspiels beglaubigt wäre, das in der Halle Beuel des Theaters Bonn von Patricia Benecke (die es auch ins Deutsche übersetzt hat) erstaufgeführt wurde. Stuart verbrennt sich die Finger beim Toasten, und als er dann die Ruß-schicht überm Spülbecken abschabt, rüffelt ihn seine Freundin Angie und mahnt, er möge jetzt bloß nicht die schwärzlichen Krümel in den Margarinetopf schmieren. Wenn das kein Realismus ist!
Das bisschen Haushalt und Alltag ist, wenn schon kein Drama, so doch ein Dramolett wert, folgend einer Das-ist-ihr-Leben-Dramaturgie. Ab und an springt der Realismus von Stuarts lazy saturday aus dem Gleis des Tatsächlichen, um zum soften Surrealismus auszuarten, vor allem wenn einmal Bomber am ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sozialstudie, Milieu, Psychogramm. Dazu bestes Schauer- und Schockermaterial und am Schluss eine zünftige Läuterung mit Moralbotschaft. Was hätte das für ein «Tatort» werden können! Im Zeichen des Fadenkreuzes wäre, so lässt sich mutmaßen, die Sache gut ausgegangen. Warum aber musste Albert Ostermaier ein Theaterstück aus dem Stoff machen? «Schwarze Minuten» heißt...
Theater heute Das Theater und das Berufsbild des Schauspielers haben sich in den letzten Jahren verändert. Über diese Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die Ausbildung wollen wir sprechen. Sie, Marion Tiedtke, fangen jetzt als Leiterin der Schauspielschule in Frankfurt an, Michael Börgerding leitet seit 2005 die Theaterakademie in Hamburg, Bernhard...
Weiß wie Kunstschnee, rot wie Theaterblut, schwarz wie die Black-Metal-Kluft – ein kaltes Märchen bringt die junge französische Regisseurin, bildende Künstlerin und Puppenmacherin Gisèle Vienne mit zum Berliner Festival «Tanz im August». In Frankreich ist die 31-Jährige gut im Geschäft, 2005 war sie mit zwei Produktionen nach Avignon eingeladen. Hier wird sie als...
