Das Schwein an der Leine
Gleich zum Auftakt ihres Dokumentarfilms «Prater» breitet die Filmemacherin Ulrike Ottinger ihre schönsten Sammlerstücke aus dem Wiener Vergnügungspark vor dem Zuschauer aus: Hexen, Monster, Ungeheuer, die ruckhaft aus Pappmaché-Höhlen fahren, durch Schusstreffer bewegte Metallschweinchen, die auf einer Rennbahn des Glücks hoppeln, und Clowns, die klickend und schnarrend auf Miniaturbühnen tanzen. Im Zeitalter digital animierter Spiele und Horrorfilmkunst wirkt das mechanische Bestiarium rührend anachronistisch.
Ottinger aber verhilft ihm durch raffinierte Kadragen noch einmal zu Glanz und Wirkung: Der Teufelsgorilla öffnet, steil von unten gefilmt, seine Pranken zur schaurigen Umarmung; Hightech-Achterbahnen und altmodische Karussellskulpturen treten vor knallblauem Sommerhimmel in luftigen Dialog.
Die 65-jährige Künstlerin, die auf ein international beachtetes (Dokumentar-)Filmwerk zurückblickt, hat sich schon immer für mythische Überreste in der Moderne interessiert. Der Prater ist dafür ein exemplarischer Ort. Schon im 19. Jahrhundert entstand hier aus käuflichen Sensationen und Reizungen aller fünf bis sechs Sinne eine Massenkultur. Ottinger befragt die Erben von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. Nach zehn Jahren haben wir das Erscheinungsbild von «Theater heute» gründlich überarbeitet. Das abbildungsfreundliche Heftformat, deutlich breiter als die üblichen DIN-Formate, wird im Layout wieder aufgenommen, die Schrift läuft lesbarer, drohende Bleiwüsten werden systematisch bewässert. Da die klassische...
Theater heute Das Theater hat sich verändert und fordert mehr Flexibilität von seinen Schauspielern. Einerseits in Richtung Performance und soziokulturelle Verantwortung, andererseits in Richtung Film und Fernsehen. Ulrich Matthes, entspricht das auch Ihrer Berufserfahrung? Hat sich überhaupt so viel verändert?
Ulrich Matthes Ich bin ja geradezu ein Paradepferdchen...
Die Straßenbahn namens Verlangen gibt es nicht mehr, so wenig wie die Haltestelle Elysische Gefilde, ja das ganze New Orleans gibt es nicht mehr, aber das nun hat Tennessee Williams wirklich nicht vorhersehen können. Tempi passati: Geradezu anrührend die sexuellen Sublimierungen, erschreckend die boshafte Selbstzensur in diesem sonst so detailverliebten Text. Man...
