Das Schwein an der Leine

Ulrike Ottingers neuer Film «Prater» und eine Ausstellung im Berliner Filmmuseum

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Gleich zum Auftakt ihres Dokumentarfilms «Prater» breitet die Filmemacherin Ulrike Ottinger ihre schönsten Sammlerstücke aus dem Wiener Vergnügungspark vor dem Zuschauer aus: Hexen, Monster, Ungeheuer, die ruckhaft aus Pappmaché-Höhlen fahren, durch Schusstreffer bewegte Metallschweinchen, die auf einer Rennbahn des Glücks hoppeln, und Clowns, die klickend und schnarrend auf Miniaturbühnen tanzen. Im Zeitalter digital animierter Spiele und Horrorfilmkunst wirkt das mechanische Bestiarium rührend anachronistisch.

Ottinger aber verhilft ihm durch raf­finierte Kadragen noch einmal zu Glanz und Wirkung: Der Teufelsgorilla öffnet, steil von unten gefilmt, seine Pranken zur schaurigen Um­armung; Hightech-Achterbahnen und altmo­dische Karussellskulpturen treten vor knallblauem Sommerhimmel in luftigen Dialog.

Die 65-jährige Künstlerin, die auf ein international beachtetes (Dokumentar-)Filmwerk zurückblickt, hat sich schon immer für mythische Überreste in der Moderne interessiert. Der Prater ist dafür ein exemplarischer Ort. Schon im 19. Jahrhundert entstand hier aus käuf­lichen Sensationen und Reizungen aller fünf bis sechs Sinne eine Massenkultur. Ottinger befragt die Erben von ...

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Theater heute Oktober 2007
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Eva Behrendt

Vergriffen
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