Tübke trifft Treuhand
Werner Tübke hat mit seinem gigantischen Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen eines der größten bleibenden Werke des sozialistischen Realismus geschaffen: bedeutungsschwer, allegorisch und mit einem starken Müntzer, der das Volk anführte. Ganz in der Nähe, in Bischofferode, stand einst das VEB Kali-Kombinat «Thomas Müntzer», welches 1993 von BASF – dem Mutterkonzern des Kalibergwerks auf der anderen Seite der deutsch-deutschen Grenze – plattgemacht wurde, wohl auch, um einen unliebsamen Konkurrenten auszuschalten.
Thomas Freyer hat sich in «Treuhandkriegspanorama», einem Auftragswerk des Nationaltheaters Weimar, daran gemacht, diese jüngere deutsche Geschichte mit dem Bild des Bauernkriegs in Kontakt zu bringen und das entstehende wohlfeile Narrativ des aufrichtigen Widerstands gegen den bösen Kapitalismus der kritischen Lektüre auszusetzen. Im Abend schwingt die Frage mit: «Hätten wir es geschafft?»
Dazu fächert Freyer die Ereignisse in drei Erzählstränge auf. Da ist zum einen der Sohn, der nach Hause kommt, weil der Vater wegen einer Lungenembolie im Krankenhaus liegt. Der Sohn beginnt, die Akten des Vaters zu sortieren und rekonstruiert dabei die Geschichte des Widerstands ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2022
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Torben Ibs
Den Anfang machen ein paar harmlose Fragen. Ob man seinen Job verloren habe. Ob sich die Miete verdoppelt oder der Vermieter einen rausgeworfen habe. Ob man eine Versicherung habe. Das nächste Set, «Der Schlüssel zum Glück», erzählt von einem ausgebeuteten Barkeeper, der, als sein ohnehin gesetzeswidriger Untermindestlohn ausbleibt, nach und nach das Mobiliar...
Dies ist ein Stück über Klimakrise und Energiewende, und mittendrin meldet sich die Autorin persönlich zu Wort. Sie fragt sich nämlich, wie viel Energie sie selbst beim Schreiben des Stücks eigentlich schon verbraucht hat. Eine einzige Internet-Suchanfrage, findet sie heraus, schlägt sich mit 0,0003 kWh zu Buche, was einem CO2-Ausstoß von 0,2 Gramm entspricht. «Ist...
Auf der Pfauen-Bühne steht ein Fließband, das Symbol entfremdeter Arbeit schlechthin. Nils Kahnwald bricht eine weiße Substanz in backsteingroße Brocken, diese wandern in einen großen Aluzylinder und von dort aus verflüssigt in verschiedenfarbige Zapfstationen. Im Verlauf der Aufführung füllt das Ensemble nebenbei immer mal wieder kleine Portionen daraus in kleine...
