Die Kolonie

Nicoleta Esinencu «Sinfonie des Fortschritts» im Berliner Hebbel am Ufer

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Den Anfang machen ein paar harmlose Fragen. Ob man seinen Job verloren habe. Ob sich die Miete verdoppelt oder der Vermieter einen rausgeworfen habe. Ob man eine Versicherung habe. Das nächste Set, «Der Schlüssel zum Glück», erzählt von einem ausgebeuteten Barkeeper, der, als sein ohnehin gesetzeswidriger Untermindestlohn ausbleibt, nach und nach das Mobiliar vertickt. Pointe: Die Bar gehört einem «progressiven» Abgeordneten, der im Parlament vorschlägt, westliche Rentner mögen in die Republik Moldau ziehen.

Dort könnten sie mit 1500 Euro im Monat fürstlich leben, während die örtliche Durchschnittsrente 100 Euro beträgt.

Nicoleta Esinencu hat Alltagsimpressionen zusammengetragen aus ihrem Land am östlichen Rand der EU, die leider wenig Hoffnung machen: Erfahrungsberichte von Moldauer:innen, die sich auf den Weg nach Westen machen, um den drückenden Verhältnissen in der postsowjetischen Tristesse zu entkommen, aber dort kein Glück finden. Sondern nur noch mehr Ausbeutung: der Austauschstudent, der wie ein rechtloser Aussätziger behandelt wird. Der Amazon-Jobber, dessen allergrößte Sorge ist, ob er sich während der Schicht noch Pinkelpausen organisieren kann. Die Erntehelferin in ...

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Theater heute März 2022
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Franz Wille

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