Die Kolonie
Den Anfang machen ein paar harmlose Fragen. Ob man seinen Job verloren habe. Ob sich die Miete verdoppelt oder der Vermieter einen rausgeworfen habe. Ob man eine Versicherung habe. Das nächste Set, «Der Schlüssel zum Glück», erzählt von einem ausgebeuteten Barkeeper, der, als sein ohnehin gesetzeswidriger Untermindestlohn ausbleibt, nach und nach das Mobiliar vertickt. Pointe: Die Bar gehört einem «progressiven» Abgeordneten, der im Parlament vorschlägt, westliche Rentner mögen in die Republik Moldau ziehen.
Dort könnten sie mit 1500 Euro im Monat fürstlich leben, während die örtliche Durchschnittsrente 100 Euro beträgt.
Nicoleta Esinencu hat Alltagsimpressionen zusammengetragen aus ihrem Land am östlichen Rand der EU, die leider wenig Hoffnung machen: Erfahrungsberichte von Moldauer:innen, die sich auf den Weg nach Westen machen, um den drückenden Verhältnissen in der postsowjetischen Tristesse zu entkommen, aber dort kein Glück finden. Sondern nur noch mehr Ausbeutung: der Austauschstudent, der wie ein rechtloser Aussätziger behandelt wird. Der Amazon-Jobber, dessen allergrößte Sorge ist, ob er sich während der Schicht noch Pinkelpausen organisieren kann. Die Erntehelferin in ...
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Theater heute März 2022
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Franz Wille
Dies ist ein Stück über Klimakrise und Energiewende, und mittendrin meldet sich die Autorin persönlich zu Wort. Sie fragt sich nämlich, wie viel Energie sie selbst beim Schreiben des Stücks eigentlich schon verbraucht hat. Eine einzige Internet-Suchanfrage, findet sie heraus, schlägt sich mit 0,0003 kWh zu Buche, was einem CO2-Ausstoß von 0,2 Gramm entspricht. «Ist...
Es geht immer um den einen Augenblick. Den Moment der Schönheit, den großen Moment der Mode, den der Gemeinschaft. Und um das Movens der Maskerade. Am Anfang behauptet Trajal Harrell keck aus dem Publikum heraus «I am Anna Wintour». Die Chefredakteurin der «Vogue» – ein gewisser Trajal Harrell habe sie angefragt, ob sie heute Abend nicht mittanzen wolle. Sie habe...
«I’m taking a ride with my best friend. I hope he never lets me down again.» Diese voll Verzweiflung glühenden Depeche-Mode-Zeilen sind so etwas wie das Leitmotiv dieses düsteren Theaterabends voller Vampire, müffeliger Provinz. Hier leben zwei Kinder in einer Umgebung, in der Gewalt zwar nicht dominant, aber doch allgegenwärtig ist – ebenso wie das Schweigen...
