Triebstau und Lachgas
Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin. Deshalb lässt Frank Wedekind seine Lulu durch die Weltstädte Wien, Paris und London wirbeln. Wobei es überall um zunehmend fatalere Variationen desselben geht: Sex, Liebe, Lust – oder die Idee davon. Lulu, dieser Inbegriff des Begehrens, erzählt wenig über Frauen und viel über Männerfantasien. Jeder der Herren, dem Lulu im Laufe von fünf Akten begegnet, betrachtet sie in irgendeiner Weise als sein Eigentum, das er nach Belieben umbenennen, benutzen und vorführen kann.
Dem einen dient sie als Tanzäffchen, dem anderen soll sie Kindsmutter sein, der dritte frönt ihrem Körper in einer Daueraffäre, der vierte nutzt sie als Geldquelle, der fünfte lebt an ihr seine unterversorgte Libido aus. Sie ist der jeweils fleischgewordene Traum – der schließlich zum Albtraum wird, denn von Lulu trennt nur der Tod.
In Stephan Kimmigs Frankfurter Inszenierung, der die vulgärfreche Wedekindsche Urfassung der «Lulu»-Stücke zugrunde liegt, ist die Protagonistin allerdings keine Femme fatale, sondern ein schmales, bleiches Geschöpfchen, das in einem Moment der Verzweiflung nahe, im nächsten vor Energie zu platzen scheint. Neben Kathleen Morgeneyers ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es ist ja auch ein Fluch, Künstler in New York zu sein. Jedes Jahr im Januar fliegen zig Kuratoren, Veranstalter, Festivaldramaturgen über den Atlantik auf Entdeckungsreise, wenn neben «Under the Radar» am Public Theater und «Coil» am PS122 auch diverse kleinere Festivals neue amerikanische, meist nicht-dramatische Theaterarbeiten aus New York präsentieren. Und...
Die deutsche Dramatik hat die Bombe. Sie wird am Flughafen deponiert, sprengt den Stuttgarter Hauptbahnhof in die Luft, ebnet ganze Städte ein, verwüstet Länder, und wenn sie zu weit entfernt von Europa explodiert, dann grüßt ihr Feuerschein wenigstens im Fernseh-Bild, ihr fetter Sound untermalt professionelle Betroffenheit. In zahlreichen neuen Stücken, die in den...
Fernsehen
Samstag, 1.
19.00, Theaterkanal: Theaterlandschaften:
Staatstheater Kassel – vorgestellt von Esther Schweins. Ein Film von Andreas Lehmann
19.30, Theaterkanal: Thomas Bockelmann im
Gespräch
Sonntag, 2.
17.00, arte: Unterwegs zwischen Ost und West – Der Schriftsteller Ingo Schulze – deutsche Dokumentation (2009) von Burghard Schlicht
Montag, 3.
18.00,...
