Treibhausdefekt und Familienkatastrophe
Während sich die deutsche Kritik noch über den Erfolg von «August: Osage County», über die Wiedergeburt des amerikanischen Familienstücks aus dem Geist Eugene O’Neills wundert, räumt Tracy Letts mehrere Generationen umspannendes Epos so ziemlich alles ab, was es in der New Yorker Theaterszene zu gewinnen gibt. Pulitzer-Preis und 5 Tony Awards inklusive.
«August: Osage County» beschreibt den Zerfall einer amerikanischen Großfamilie als tragikomisches Ereignis.
Ort der Handlung ist der Landsitz der Familie Weston in einer Kleinstadt im heutigen Oklahoma, im Osage County, aus dem auch der Autor stammt. Beverly Weston, früher Dichter und Hochschullehrer, jetzt pensioniert und Vollzeitalkoholiker, engagiert für sich und seine Frau die junge Indianerin Johnna als Haushaltshilfe. Denn: «Fakt ist: Meine Frau nimmt Tabletten und ich trinke. Und diese Sachlage hat es mit der Zeit sehr mühsam gemacht, die traditionelle amerikanische Normalität aufrecht zu erhalten: Rechnungen bezahlen, Lebensmittelversorgung, Sauberhalten von Kleidung, Teppichen und Scheißhäusern.» Dann verschwindet das Familienoberhaupt spurlos und lässt seine krebskranke und tablettenabhängige Frau Violet allein zurück. ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 169
von Ingoh Brux
Es gibt viele Legenden über Händl Klaus. Wer ihn, den Tiroler, am Schweizer Bielersee besucht, berichtet von der vorzüglichen Bewirtung durch ihn, den erstklassigen Buchtelbackkünstler. Auch seine übersprudelnde, herzliche Freundlichkeit, seine Wortzuschüttungen, die einen verstummen lassen, nachdem man nur kurz um die Uhrzeit bat, finden sich in Beschreibungen....
Nach dem Stück ist vor dem Stück, jedenfalls im nach wie vor begnadeten deutschsprachigen Theatersystem. Nie gab es so viele Uraufführungen, junge Autoren, Schreibschulen, Stückemärkte, Hausautoren, Auftragswerke und Preise wie in diesen gesegneten Zeiten!
Man könnte einen hochtourig laufenden Betrieb dahinter vermuten, wenn, ja wenn die Liebe nicht wäre: die Liebe...
Die Schneiderei, die Nebenspielstätte des Schauspielhauses, ist ein Raum mit vielen Fenstern zur Porzellangasse, in den durch die morsche Doppelverglasung der Lärm der Stadt dringt. Ewald Palmetshofer, der Hausautor des Schauspielhauses, sitzt hier, neuerdings täglich, um zu schreiben. Die Schneiderei, mit Hans Gratzers altem Schreibtisch aufgerüstet, ist sein...
