Amokläufer der guten Tat
Das Thema des Stückes ist nicht Asyl, obwohl ein Asylant darin vorkommt und die Autorin Anne Habermehl darüber viel recherchiert und gearbeitet hat. Das Thema des Stückes ist auch nicht – zumindest nicht in erster Linie – der Kampf der Kulturen, der Zusammenprall von Erster und Dritter Welt, obwohl genau das passiert und ein algerischer Wirtschaftsflüchtling auf Fuerteventura, halb ertrunken, den Fluten entsteigt und dort auf zwei sonnenbadende All-Inclusive-Touristen aus Stuttgart trifft.
Das dramatische Thema, der persönliche Nerv dieses Stückes ist die Suche von Moritz, Sohn einer Stuttgarter Einwohnermelde-Beamtin und ihres getrennt lebenden Mannes Gerard, Journalist seines Zeichens mit Karriereort Frankfurt.
Moritz, 16, vom Vater verlassen und mit seiner Mutter auf einmal wie verheiratet, sucht nach einer Mission, nach einer Aufgabe außerhalb von Schule, Schwoof und Partytime – obwohl er das selber nie so sagen würde. Er findet sie nicht, sie begegnet ihm, dort, wo er am wenigsten damit gerechnet hat: auf Fuerteventura, am Strand eines All-Inclusive-Hotels. Mehdi wird angespült, mit Schwimmflügeln um Arme und Beine, Salzwasser in der Lunge. Moritz ist kein Gutmensch, aber er ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 160
von John von Düffel
Hinlänglich dechiffriert ist der heimlich religiöse Subtext aller politischen Ideologie – die Aufhebung der Mühsal am Ende aller Zeit, am jüngsten Tag, am Ende des Kampfes, am Ende der Welt, am Ende der Revolte. Kurz mag das Religiöse also im Politischen Zuflucht gefunden haben, um bald darauf wieder ohne Obdach auf der Straße zu stehen. Aber zum Glück gibt es ein...
Große Fragen liegen auf dem Tisch, Kaffeetassen stehen bereit:
Thomas Ostermeier, Jahrgang 1968, war nach dem Regiestudium an der Berliner Ernst-Busch-Schule künstlerischer Leiter der Baracke des Deutschen Theaters und leitet seit 2000 die Berliner Schaubühne
Frank-Patrick Steckel, geb. 1943, kam als Student der Kunstgeschichte zum Studententheater. Seit 1970...
Das Haus der vielen Zungen» von Jonathan Garfinkel ist ein poetisches, groteskes und nicht zuletzt verstörendes Theaterstück über den Mittleren Osten. Es vereint emotionale und politische Elemente in hoher Dosierung mit einer unerschrockenen Chuzpe. Jonathan Garfinkel nimmt Stellung, aber nicht Partei für ein hoch brisantes Thema, und für ihn geht politisches...
