Zeitwechsel-Spiele
Die Frage nach der Darstellbarkeit von Historie im Drama bewegt seit den «Persern» von Aischylos die Zuschauer. Schon Aristoteles meinte, das Drama sei das tauglichere Mittel, Geschichte zu begreifen, als die Geschichtsschreibung. Es ist nicht an die Fakten gebunden, sondern kann die zentralen Widersprüche, die zum Gang der Geschichte führen, in ihrem menschlichen Kern darstellen. Zugleich mit dieser Darstellung von Geschichte in Situationen wird jedoch ein Weltbild erzeugt, das einen spezifischen Blick auf die Vergangenheit formuliert.
So können, wie beispielsweise im Historiendrama des 19. Jahrhunderts, die großen Gestalten der Geschichte in ihren leidenschaftlichen Kollisionen aufeinandertreffen. Das Ergebnis war hier die Einsicht: Männer machen Geschichte.
In «Der Stein» wird schon im Titel angezeigt, wie wenig Handlungskraft in den einzelnen Menschen steckt. Ein Haus wird zur Zeit des Nationalsozialismus von seinen jüdischen Besitzern zwangsweise an eine deutsche Familie verkauft. Es folgen die Bombardierung und der Selbstmord des neuen Besitzers. Seine Frau und ihre Tochter überleben, fliehen aber 1953 aus der als Kriegsfolge errichteten DDR. Sie besuchen 1978 noch einmal ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 170
von Bernd Stegemann
Dennis Kelly rollt den Fall einer jungen Mutter auf, die überraschend ihre zwei kleinen Kinder verloren hat. War es Mord oder plötzlicher Kindstod? Diese Frage spaltet die Familie, die Wissenschaft, die Justiz und geht durch alle Medien. Kelly ist bei diesem Dokumentar-Stück ein Zuschauer, er sitzt im Publikum und mischt sich gelegentlich ein. Er fragt seine...
Die Schneiderei, die Nebenspielstätte des Schauspielhauses, ist ein Raum mit vielen Fenstern zur Porzellangasse, in den durch die morsche Doppelverglasung der Lärm der Stadt dringt. Ewald Palmetshofer, der Hausautor des Schauspielhauses, sitzt hier, neuerdings täglich, um zu schreiben. Die Schneiderei, mit Hans Gratzers altem Schreibtisch aufgerüstet, ist sein...
Zu den Frankfurtern und Frankfurt, wo Anne Müller seit fast drei Jahren lebt und Theater spielt, hat sie eine Theorie: zu viele Menschen auf zu wenig Platz. Deshalb wird so in die Höhe gebaut, sind die Bürgersteige so schmal, die Straßen so eng. «Das macht die Menschen hier so, wie sie sind. Es geht gar nicht ohne Rempeln. Man darf das nicht persönlich nehmen,...
