Transformative Utopie
Am Ende fällt dann alles buchstäblich aus dem Rahmen oder vielmehr vor den Rahmen. Einen solchen hat Nadja Sofie Eiler nämlich auf die große Bühne des neuen theaters in Halle gebaut und in ihn hinein eine große Küche mit freistehender Arbeitsfläche. Im Hintergrund ein paar Fenster, rechts steht der Kühlschrank, in der hinteren linken Ecke der Herd und vorne ein Waschbecken, an dem sich die Protagonisten und Protagonistinnen ständig die Hände waschen. Nicht ohne Grund, wie sich am Ende zeigt.
Denn all das Schälen von Karotten und Kartoffeln, das Schnibbeln von Lauch arbeitet präzise auf das finale Verlassen des Rahmens hin, das hier mehr sein wird als nur ein Durchbrechen der vierten Wand.
Das ist das Setting für die deutsche Erstaufführung von «Penthesile:a:s. Amazonenkampf» der französischen Autorin MarDi in Halle in der Regie von Sandra Hüller und Tom Schneider. Es ist Hüllers Regiedebüt, gleichwohl sie in den Arbeiten des Farn Kollektiv schon mehrfach mit Schneider in kreativen Prozessen zusammen gewirkt hat. Auch mit der Penthesilea hat sie eine Vorgeschichte: 2018 spielte sie bei den Salzburger Festspielen zusammen mit Jens Harzer eine auf ein Duett eingedampfte Variante des ...
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Theater heute Juni 2025
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Torben Ibs
WWW.3SAT.DE
bis Mai 2026, Starke Stücke/ Theatertreffen:
Bernarda Albas Haus
Mitschnitt des Stücks von Alice Birch nach Federico García Lorca vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg in der Regie von Katie Mitchell
Die Gewehre der Frau Carrar/ Würgendes Blei
Mitschnitt der Inszenierung nach Bertolt Brecht und Björn SC Deigner in der Regie von Luise Voigt aus dem...
Totreife ist ein Begriff aus der Landwirtschaft. Er bezeichnet Getreide, das so erntereif ist, dass die Körner sich von selbst lösen und die Halme absterben. Dass sich so auch die Familiengeschichten aus ihren verschlossenen Kapseln lösen mögen, hofft wohl Matilda. Sie ist siebzehn, auf dem Land aufgewachsen mit Vater Celio und – zumindest in seinen Erzählungen...
Jelinek-Inszenierungen waren lange eine knallbunte, aber triste Angelegenheit. Regisseur:innen wollten es der Autorin recht machen, die in ihrem programmatischen Essay «Ich möchte seicht sein» (1983) ihre Ästhetik offenlegte. Jelineks Lob der maximalen Oberflächlichkeit forderte: keine Psychologie, keine tiefe Bedeutung, Theater als Modenschau.
Zwei völlig...
