Rumpelnder Eskapismus
In der schwarzen Weite der Bühne sprechen Menschen in braungrauen 1960er-Jahre-Kostümen, die Haare hochtoupiert, aufgeregt in ihre Mikrofone. Ein neuer Planet wurde entdeckt, bedeckt von einem Plasma-Ozean, dem die Forscher:innen Intelligenz zusprechen: Solaris. Und die Menschheit sucht, einmal mehr, Hoffnung im All.
Denn was versprach in den 1960er Jahren mehr Zukunft als der Aufbruch in den Weltraum? Und so fragen sich Nachrichtensprecher:innen und Forscher: -innen in einem babylonischen Sprachgewirr: Was wird diese Entdeckung der Menschheit bringen?
So beginnt Christian Friedels Bühnenadaption von «Solaris», nach dem Roman von Stanislaw Lem, der längst Kultur- und Popgeschichte geschrieben hat. Die Fragen, die ebenfalls mehrsprachig auch auf die gewaltige transparente Gaze projiziert werden, die die gesamte vierte Wand des Großen Hauses im Schauspiel Frankfurt bedeckt, scheinen flirrend heutig – wo die irdischen Ressourcen zur Neige gehen, ganze Regionen des Planeten unbewohnbar zu drohen werden und nicht nur Tech-Mil -liardär und Trump-Einflüsterer Elon Musk von einer Zukunft auf dem Mars träumt, um dort die Ausbeutung weiterzutreiben und die Zukunft der Menschheit zu sichern. ...
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Theater heute Juni 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Esther Boldt
Das Lied ist ein Ohrwurm. Auch noch Stunden nach dem Theater saust es im Kopf herum, dieses «Heidi-tschimmela-tschimmela-tschimmela-tschimmela bumm» aus dem 1948er Karnevalslied «Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien», das seinerzeit zumindest im Rheinland fast die Funktion einer Nationalhymne übernommen hatte. Zum Thema hatte der Song die Tatsache der drei...
Zu Beginn stellen sie sich alle lose in drei Fünferreihen auf. Dann starten sie ihre Exploration mit 15 unterschied -lichen Bewegungsabläufen. Einer springt, einer kriecht, einer formt seinen Körper zu einem Tisch, mit dem Oberkörper als waagrechter Fläche, andere durchmessen mit großen Sprüngen den Raum in der Diagonalen. Wieder andere flechten Reste klassischer...
Eine fahle Projektion auf dem schwarzen Bühnenvorhang im Akademietheater verrät es vorab: In «Die Wurzel aus Sein» schreibt Autor Wajdi Mouawad über sich selbst. Gleichwohl entwirft das Stück des 1968 im Libanon geborenen Kanadiers eine besondere Variation des Genres Autofiktion: Mouawad schildert nicht, wie sein Leben war, sondern wie es hätte sein können.
Da...
