Tragische Lebensrätsel

Jaz Woodcock-Stewart «Jason Medea Medley» im Staatsschauspiel Dresden

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Es ist ein Spiel. Jason (David Kosel) hat zwei Minuten, um zu erraten, welche Gesten er ausführen, welche Gegenstände er benutzen muss, um den großen Preis, eine blaue Glitzer-Nietenjacke – auch bekannt als Goldenes Vlies – zu erhalten. An der Seite sitzt die Familie des Königs Aietes samt Medea (Kriemhild Hamann) im bereits blutbefleckten Shirt. Mit Klatschen zeigen sie an, ob er richtig liegt, ein Timer läuft, und natürlich weiß auch das Publikum, das auf der Seitenbühne Platz genommen hat, Bescheid, denn es hat vorher dem infantilen Aushecken der Idee beigewohnt.

Mit Medeas Unterstützung gewinnt Jason schließlich Spiel, Vlies und Medea selbst.

Die ermordet den Vater, und beide verschwinden aus dem leeren Papp-Laborraum, den Rosie Elnile gestaltet hat. Allerdings spielt Sven Hönig, der vorgebliche König, später auch den Sohn, und die Szene ist damit vielleicht gar kein Vorspiel, sondern Rückblick. Das bleibt bewusst in der verrätselten Schwebe. «Jason Medea Medley» auf der Kleinen Bühne des Staatsschauspiel Dresden ist voll von solchen Assoziationsüberlagerungen.

Die britische Regisseurin Jaz Woodcock-Stewart interessiert ohnehin nicht die tragische Fallhöhe, sondern deren ...

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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Torben Ibs

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