Totenmesse für den Rockkult
Beige sind die Trennwände in diesem Tonstudio, lang der Backenbart des Schlagzeugers und auch das Haupthaar des Hippiemädchens, das seine schwarzen Strähnen zupft und dabei die Augen devot weitet (sie gehören der Tänzerin Arantxa Martinez). Im hinteren Zentrum thront ein Turm, in dessen Erdgeschoss die Mixing-Konsole steht, der Kontrollraum der Aufnahme.
Weil die dritte Theaterarbeit der Lausanner Post-Rock-Band Velma «Requiem» heißt, gibt es an der vertikalen Ausrichtung des Raumes (Serge Perret) wenig zu deuteln: Der Kontrollturm ist das Kirchenschiff, der Abend folgt schließlich der liturgischen Form, wie sie Papst Pius der Zehnte 1903 festgeschrieben hatte.
Velma hat sich der Erforschung der Pop- und Rockgeschichte durch musikalische Aufführungen – sprich: Konzerte – im Theater verschrieben. So leuchten auch die modischen Signale der siebziger Jahre sinnig in die Gegenwart dieser stimmigen Aufführung. Denn im Rock der frühen Siebziger erfuhr der Topos des Exzesses einen Wandel vom Körper zum Klang, Ausschweifung erfasste die Sessions und entgrenzte den Popsong. Aufgeräumt mit dieser zerebralen Party und sie wieder ganz auf den Körper gerichtet hatte ab 1976 dann Punk, doch die ...
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