Totenmesse für den Rockkult

Velma «Requiem»

Theater heute - Logo

Beige sind die Trennwände in diesem Tonstudio, lang der Backenbart des Schlagzeugers und auch das Haupthaar des Hippiemädchens, das seine schwarzen Strähnen zupft und dabei die Augen devot weitet (sie gehören der Tänzerin Arantxa Martinez). Im hinteren Zentrum thront ein Turm, in dessen Erdgeschoss die Mixing-Konsole steht, der Kontrollraum der Aufnahme.

Weil die dritte Theaterarbeit der Lausanner Post-Rock-Band Velma «Requiem» heißt, gibt es an der vertikalen Ausrichtung des Raumes (Serge Perret) wenig zu deuteln: Der Kontrollturm ist das Kirchenschiff, der Abend folgt schließlich der liturgischen Form, wie sie Papst Pius der Zehnte 1903 festgeschrieben hatte.

Velma hat sich der Erforschung der Pop- und Rockgeschichte durch musikalische Auf­führungen – sprich: Konzerte – im Theater verschrieben. So leuchten auch die modischen Signale der siebziger Jahre sinnig in die Gegenwart dieser stimmigen Aufführung. Denn im Rock der frühen Siebziger erfuhr der Topos des Exzesses einen Wandel vom Körper zum Klang, Ausschweifung erfasste die Sessions und entgrenzte den Popsong. Aufgeräumt mit dieser zerebralen Party und sie wieder ganz auf den Körper gerichtet hatte ab 1976 dann Punk, doch die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2008
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Tobi Müller

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das Denken ist immer zu spät

Wenn sich Ewald Palmetshofer nach seiner ersten, sehr erfolgreichen Wiener Uraufführung verbeugt, sieht das etwas ungewöhnlich aus. Der Oberkörper winkelt rechteckig in der Hüfte ab, die Arme schwingen nach hinten, und der Kopf bleibt hart in den Nacken geworfen, die Augen weit offen. Als Empfangshaltung eher für Peitschen­hiebe als Applauswellen geeignet, und als...

«Ich bin die Mauer»

Die Jahre zwischen 1977 und 1980 waren die krisenhafteste Zeit seines Lebens. Im Oktober 1976 war er von einem Wien-Aufenthalt anlässlich einer Inszenierung am Burgtheater nicht mehr in die DDR zurückgekehrt. Im März 1977 wird seine Freundin Gabriele Gerecke bei einem Fluchtversuch an der innerdeutschen Grenze festgenom­men und zu drei Jahren Haft im berüchtigten...

Eine Bühne, zwei Romane

Damals, im Frühjahr 2001, zog sich Bert Neumanns Bühne, eine gereihte Ansammlung von Containern und Planken, entlang der Zuschauertribüne in der Zürcher Schiffbauhalle hin. Jetzt, für die Wiederaufnahme der Castorfschen Bearbeitung und Inszenierung von Alfred Döblins Roman «Berlin Alexanderplatz» in der Volksbühne, hat Neumann die lange Container- und Plankenzeile...