Das Denken ist immer zu spät
Wenn sich Ewald Palmetshofer nach seiner ersten, sehr erfolgreichen Wiener Uraufführung verbeugt, sieht das etwas ungewöhnlich aus. Der Oberkörper winkelt rechteckig in der Hüfte ab, die Arme schwingen nach hinten, und der Kopf bleibt hart in den Nacken geworfen, die Augen weit offen. Als Empfangshaltung eher für Peitschenhiebe als Applauswellen geeignet, und als Absprung vom Startblock ein sicherer Bauchplatscher. Man kann es aber auch so sehen: Ewald Palmetshofer hält den Kopf immer weitestmöglich oben und lässt sein Publikum nie aus den Augen.
Und wenn es unten noch so klatscht und patscht.
Die Anstrengung ist verständlich, denn im Kopf von Ewald Palmetshofer bewegen sich die allerschwersten Jahrhundertprobleme. In einem angemessen schwarz hinterlegten Textbalken begrüßt zum Beispiel den arglosen Programmheftleser von «hamlet ist tot. keine schwerkraft» gleich auf der zweiten Seite ein originaler Palmetshofer Theorietext, der es in sich hat: «Während das Denken des 20. Jahrhunderts noch lange nicht zu seinem Ende gekommen ist, ist das Subjekt des Denkens schon längst im neuen Jahrhundert angelangt. Und während dieses erste Denken seinem Abschluss entzogen scheint, ist ihm als ...
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