Das Denken ist immer zu spät

Ewald Palmetshofer macht es sich nicht leicht mit seinen Stücken: ein Porträt des Autors von «hamlet ist tot. keine schwerkraft», uraufgeführt in Wien

Theater heute - Logo

Wenn sich Ewald Palmetshofer nach seiner ersten, sehr erfolgreichen Wiener Uraufführung verbeugt, sieht das etwas ungewöhnlich aus. Der Oberkörper winkelt rechteckig in der Hüfte ab, die Arme schwingen nach hinten, und der Kopf bleibt hart in den Nacken geworfen, die Augen weit offen. Als Empfangshaltung eher für Peitschen­hiebe als Applauswellen geeignet, und als Absprung vom Startblock ein sicherer Bauchplatscher. Man kann es aber auch so sehen: Ewald Palmetshofer hält den Kopf immer weitestmöglich oben und lässt sein Publikum nie aus den Augen.

Und wenn es unten noch so klatscht und patscht.

Die Anstrengung ist verständlich, denn im Kopf von Ewald Palmetshofer bewegen sich die allerschwersten Jahrhundertprobleme. In einem angemessen schwarz hinterlegten Textbalken begrüßt zum Beispiel den arglosen Programmheftleser von «hamlet ist tot. keine schwer­kraft» gleich auf der zweiten Seite ein originaler Palmetshofer Theorie­text, der es in sich hat: «Während das Denken des 20. Jahrhunderts noch lange nicht zu seinem Ende gekommen ist, ist das Subjekt des Denkens schon längst im neuen Jahrhundert angelangt. Und während dieses erste Denken seinem Abschluss entzogen scheint, ist ihm als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2008
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aktion Noteingang

Es ist dieser Aufkleber an der Tür zu dem kleinen, abseits und verwunschen im Grünen am plätschernden Landwehrkanal gelegenen Theater in Eisleben, der einem klar macht, dass mit dieser Idylle irgendwas nicht stimmt. «Aktion Noteingang – Wir bieten Schutz und Informa­tion bei rassistischen und fremdenfeindlichen Übergriffen» steht da, und dann tritt man ins Foyer...

An der Wertewerkbank

Das Wiener Burgtheater hat sich in zwei Großproduktionen gestürzt, riesige Textberge riefen zu ihrer Besteigung auf. Bergauf hätte es gehen sollen mit großen Debatten im Gepäck: über Väter & Söhne, Gott & Teufel, Vatermord & Vater Krieg. Aber dann sah man, schon am Fuß der Textbergriesen scheiternd, nichts als Flachlandtiroler in Nicolas Stemanns Dramatisierung von...

Italienische Riesen

Vorhang auf, und das Theater wird erst einmal zum Kino. Eine Filmleinwand verschließt die gesamte Bühnenöffnung. Darauf bremst mit quietschenden Reifen ein weißer Fiat 130, gleich dahinter das Fahrzeug der Eskorte. Maschinengewehrsalven. Schreie. Entsetzen. Wer sich noch regt, wird mit gezielten Schüssen niedergestreckt. Ein Mann wird aus dem Wagen gezerrt, in...