Töne haben Ursachen. Immer.
Bei den beiden zentralen Produktionen der diesjährigen «Spielzeit Europa» musste man die zuständige Bühne innerhalb des Hauses der Berliner Festspiele ein bisschen suchen. Bei «Stifters Dinge (The Piano Piece)» von Heiner Goebbels musste man durch einen Nebeneingang eintreten, bei Alvis Hermanis «The Sound of Silence – ein Konzert von Simon & Garfunkel in Riga 1968, das nie stattgefunden hat» wurde man durch eine Fotoausstellung mit Rigaer Bohème-Szenen aus den Sechzigern über die Hinterbühne ins Theater geführt. Aber damit werden die Gemeinsamkeiten auch schon knapp.
Allenfalls noch dies: Hermanis’ Stück endet mit einem fürchterlichen Furioso auf dem Pianoforte. Paul Simon drischt, viel zu laut aufgedreht, die finalen Fortissimi aus «Bridge Over Troubled Water» über die karge Bühnenlandschaft, als könnte Kitsch durch Krach konterkariert werden. Und auch bei Heiner Goebbels spielt das Piano eine gewisse Rolle, wie schon der Untertitel andeutet.
Das Piano! Was ist ihm nicht alles angetan worden in den Jahren der Avantgarden und Neo-Avantgarden. Kaum eine Kunstbewegung kommt im zwanzigsten Jahrhundert ohne ihre Flügelzerstörungen und Klavierausdemfensterschmeißereien aus, kein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
So hat man die Nibelungen noch nicht gesehen: Edel zwar und zart die Züge Giselhers, doch von ziemlich exotischem Adel. Omar el-Saeidi ist von ägyptischer Abstammung, 1980 in Gießen geboren. Bruder Gerenots dunkles Antlitz umrahmen schwarze Rasta-Locken. Patrick Gusset kam 1979 in Basel zur Welt, sieht aber eher nach Nordafrika aus. Und dann stürmt Siegfried auf...
Wenn Schorsch Kamerun Recht hat, dann schützt Wohlstand vor Angst nicht. Er hat die These, dass «wie kein anderes Gefühl die Angst unser Leben begleitet» und das «trotz immer größerer Freiheit, gesteigerten Möglichkeiten und immer mehr tollen Angeboten». Zum Beispiel dem tollen Angebot eines therapeutischen Theaterabends. Ganz tief runter zieht uns Schorsch Kamerun...
Die Gattungsbezeichnung verrät eine gewisse Unentschlossenheit. «Ein Theaterabend» hat Tom Peuckert sein neues Stück genannt. «Theaterabend» geht eigentlich immer, außer bei Matineen.
«Elende Väter» zeigt, was der Titel verrät: elende Väter. Sieben Männer treten auf, sie finden sich in einem Wartesaal eines mysteriösen Amtes ein und erzählen einander ihre...
