Das Parasitärdrama...
Ich habe schon das Sekundärdrama erfunden, und jetzt erfinde ich meinetwegen auch noch das Parasitärdrama (man kann es auch Schmarotzerdrama nennen), nein, leider habe nicht ich es erfunden. Ich habe es nicht einmal bewußt gefunden. Ich bin auch schon einmal ein bißchen Abfall für alle gewesen, was absolut gestimmt hat, es war mir nur nicht eingefallen, auch nicht entfallen, ich war ja das Entfallene selbst!, denn ich war doch damals schon von allem abgefallen. Man kann nichts erfinden, wenn man findet, daß alles schon da ist und vorhanden. Und alles, was vorhanden ist, ist mir zu Handen.
Das ist frei. Im Gegensatz zu mir ist es frei. Ich lese in einer Zeitschrift, daß ein Kollege meine Stücke parasitär nennt, weil sie sich so oft an einen Wirt klammern, ohne den das Drama dann nicht verstanden werden kann. Es ist dann nicht mehr ewig gültig, weil es an das Ereignis gebunden worden ist. Dem Ereignis macht das gar nichts, aber das Drama, das dann kein wirkliches Drama mehr sein kann, bringt es um, weil es nur andauert, solang man sich an das Ereignis erinnert. Die Verderblichkeit der verderbenbringenden Realität, die gehört nicht auf die Bühne (wo eh gar nichts hingehört, nur ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die Dramen des Jahres, Seite 96
von Elfriede Jelinek
Wenn ich einen Wutanfall kriege, dann gibt es meistens diesen einen, ganz lichten Moment, in dem mir klar wird, dass doch irgendwie alles mit allem zusammenhängen muss. Das ist der Augenblick, in dem der Anfall in einen Rundumschlag umkippt und ich von der Euphorie, eventuell am Weltgeist geschnuppert zu haben, schier übermannt werde. Dieser überkomplexe...
Heute, gestern oder in naher Zukunft. «In der ausgeräumten Chefetage eines längst aufgegebenen Hochhauses», wie der Autor den Spielort der ersten Szene mit dem Titel «Ich bin da» beschreibt, treffen sich nach langer Zeit zwei alte Freunde aus Studententagen: ICH und ER, beide mittlerweile Anfang fünfzig. Einst wollten sie die Sterne vom Himmel holen, so viel Liebe...
Gerne werden sie von Kritikern übersehen und bleiben unerwähnt, die Kostümbildner(innen), weil es angeblich Wichtigeres im Theater gibt. Aber die Kostüme von Victoria Behr sind einfach nicht zu übersehen, nicht einmal von Kritikern: die Kostümbildnerin des Jahres!
