Das Parasitärdrama...
Ich habe schon das Sekundärdrama erfunden, und jetzt erfinde ich meinetwegen auch noch das Parasitärdrama (man kann es auch Schmarotzerdrama nennen), nein, leider habe nicht ich es erfunden. Ich habe es nicht einmal bewußt gefunden. Ich bin auch schon einmal ein bißchen Abfall für alle gewesen, was absolut gestimmt hat, es war mir nur nicht eingefallen, auch nicht entfallen, ich war ja das Entfallene selbst!, denn ich war doch damals schon von allem abgefallen. Man kann nichts erfinden, wenn man findet, daß alles schon da ist und vorhanden. Und alles, was vorhanden ist, ist mir zu Handen.
Das ist frei. Im Gegensatz zu mir ist es frei. Ich lese in einer Zeitschrift, daß ein Kollege meine Stücke parasitär nennt, weil sie sich so oft an einen Wirt klammern, ohne den das Drama dann nicht verstanden werden kann. Es ist dann nicht mehr ewig gültig, weil es an das Ereignis gebunden worden ist. Dem Ereignis macht das gar nichts, aber das Drama, das dann kein wirkliches Drama mehr sein kann, bringt es um, weil es nur andauert, solang man sich an das Ereignis erinnert. Die Verderblichkeit der verderbenbringenden Realität, die gehört nicht auf die Bühne (wo eh gar nichts hingehört, nur ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die Dramen des Jahres, Seite 96
von Elfriede Jelinek
Das Schauspiel Köln ist Meister in allen Klassen: Im Theater des Jahres spielt die Schauspielerin des Jahres, Lina Beckmann, und Intendantin Karin Beier hat die Inszenierung des Jahres, Elfriede Jelineks «Das Werk/Im Bus/Ein Sturz», eingerichtet. Zuverlässig im Hintergrund steht Chefdramaturgin Rita Thiele: ein Porträt!
Jens Harzer
Allein wie Jens Harzer am Thalia Theater den zu Tode zitierten Posa-Satz sagt von der Gedankenfreiheit, ist den ganzen «Don Carlos» wert – leicht, spielerisch, verführerisch, mit einer lässigen Handbewegung und seinem schiefen Lächeln, als sei das kein großes Ding. Anke Dürr
Seinen Ruhm hat Jens Harzer sich erspielt als fantastischer Alien des deutschen...
Gerne werden sie von Kritikern übersehen und bleiben unerwähnt, die Kostümbildner(innen), weil es angeblich Wichtigeres im Theater gibt. Aber die Kostüme von Victoria Behr sind einfach nicht zu übersehen, nicht einmal von Kritikern: die Kostümbildnerin des Jahres!
