Theatertreffen 2010
Nach unzähligen Reisen, seitenlanger Votenprosa und vielstündigen Debatten hat die Jury des Theatertreffens so viel zeitgenössische Dramatik und internationale Koproduktionen wie selten für die Reise nach Berlin nominiert: Elfriede Jelineks Wirtschaftskomödie «Die Kontrakte des Kaufmanns» (Regie Nicolas Stemann) vom Thalia Theater Hamburg (Koproduktion mit dem Schauspiel Köln), Roland Schimmelpfennigs leichthändige Migrantentragödie «Der Goldene Drache» vom Burgtheater Wien (Regie der Autor), Dea Lohers Kleine-Leute-Oratorium «Diebe» (Regie Andreas Kriegenburg) vom Deutschen
Theater Berlin und Dennis Kellys rückwärts erzählter Gattinnenmord «Liebe und Geld» (Regie Stephan Kimmig), ebenfalls vom Hamburger Thalia Theater. Daneben haben es Victor Bodós Grazer Handke-Choreografie «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten» (Koproduktion mit der Budapester Sputnik Shipping Company), Johan Simons und Paul Koeks Horváth-Inszenierung «Kasimir und Karoline» vom Schauspiel Köln (Koproduktion NT Gent und De Veenfabriek) und die New Yorker Off-Off-Truppe Nature Theater of Oklahoma mit ihrem biografischen Konzeptkunst-Musical «Life and Times, Episode 1» (Koproduktion Wiener Burgtheater) ...
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Im Fernsehen spielt Friedrich Gulda Mozart. Er trägt ein buntes Hawaiihemd und hat eine Muslimkappe auf dem Kopf. Gulda könnte, denkt man, weil er im Fernsehen nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen ist, übertreiben. Der Gedanke kommt einem, weil andere klassische Klavierkünstler statt eines Hawaiihemdes meist ein weißes Hemd und einen schwarzen Anzug anhaben....
Das Stück ist eine Irritation. Vor zwei Jahren hatte es seine Uraufführung in Kopenhagen, und schon damals muss es wie aus der Zeit gefallen gewirkt haben. Ein Eindruck, der nun, bei der deutschsprachigen Erstaufführung, noch stärker ist. Alexander Nerlich inszenierte Dejan Dukovskis «Leere Stadt» im Marstall-Theater des Bayerischen Staatsschauspiels in München,...
Der Demos», sagt Herfried Münkler, «ist aus einem Politikpartizipanten in einen staunenden Fernsehzuschauer verwandelt worden.» In ein für Populismus jedweder Art anfälliges Stimmvieh. Aus dem Volk ist eine Masse geworden, die sich lobbyistisch für Partikularinteressen zusammenfindet, ohne noch über ein Gemeinsames zu verfügen. So entsteht gewissermaßen ein neuer...
