Theatermacher im Dispo
Seit einigen Jahren ist es in New York alltäglich geworden, schlechtes Theater zu sehen. Nicht nur vor den wirtschaftlich rentablen, kulturkonservativen Wohnzimmerdramen und touristentauglichen Musicalproduktionen muss man sich in Acht nehmen. Auch wenn das Stichwort «Avantgarde» fällt, ist Vorsicht geboten.
Peinliche Abende in stickigen Bühnenräumen in Downtown-Manhattan sind dann nämlich die Regel, an denen alle Schauspielklischees überbietende Akteure mit pathetisch erhobenen Händen politisch korrektes Bullshit-Bingo spielen und vermeintliche kulturelle Transgressionen unfreiwillig komisch geraten können. Abende, an denen man nicht glauben kann, wieder einmal in die Experimentaltheater-Falle gelaufen zu sein.
Das war nicht immer so, galt die ehemalige East-Village-Bohème doch noch vor zehn Jahren als theatrales Zeitgeistzentrum und als Performance-Ort mit Elan und Visionen. Doch mit Manhattans Aufstieg zum Immobilienparadies, dem damit verbundenen Siegeszug der Superreichen und dem inzwischen fast vollständigen Absterben der lokalen Subkultur scheint auch das seriöse Kunsttheater einen unrühmlichen Abgang gemacht zu haben. Die Helden von damals – Techno-Performance-Diva Laurie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn die Party beginnt, begibt sich Lars Eidinger in sein Element. Eine innere Tür geht auf, er tritt über die Schwelle und in eine andere Welt, in der er nicht mehr er selbst ist. Sondern ein Rockstar. So wie zum Auftakt des «Sommernachtstraums», den Constanza Macras und Thomas Ostermeier letzten Sommer in Athen und an der Berliner Schaubühne präsentierten. Noch...
Christine Dössel kommt am späten Vormittag nach der Theatertreffen-Jurysitzung mit Koffer und Taschen beladen in die Redaktion. Sie ist sehr wach, sehr blass, sehr müde und verlangt nach einer Tasse Tee.
Franz Wille Wie lange hat denn die Sitzung gestern gedauert?
Christine Dössel Gute acht Stunden, weniger als im letzten Jahr, da waren es knapp zehn. Das haben wir...
Sechs Jahre ist es her, dass im Dezember 2000 der damals noch weitgehend unbekannte Michael Thalheimer am Hamburger Thalia Theater den denkwürdigen Anfang einer kleinen «Liliom»-Renaissance des 21. Jahrhunderts machte: Auf minutenlange Bewegungslosigkeit des hemdsärmeligen Protagonisten, die schließlich in einem seltsamen Schütteln der Arme, unwillkürlicher...
