Theatermacher im Dispo
Seit einigen Jahren ist es in New York alltäglich geworden, schlechtes Theater zu sehen. Nicht nur vor den wirtschaftlich rentablen, kulturkonservativen Wohnzimmerdramen und touristentauglichen Musicalproduktionen muss man sich in Acht nehmen. Auch wenn das Stichwort «Avantgarde» fällt, ist Vorsicht geboten.
Peinliche Abende in stickigen Bühnenräumen in Downtown-Manhattan sind dann nämlich die Regel, an denen alle Schauspielklischees überbietende Akteure mit pathetisch erhobenen Händen politisch korrektes Bullshit-Bingo spielen und vermeintliche kulturelle Transgressionen unfreiwillig komisch geraten können. Abende, an denen man nicht glauben kann, wieder einmal in die Experimentaltheater-Falle gelaufen zu sein.
Das war nicht immer so, galt die ehemalige East-Village-Bohème doch noch vor zehn Jahren als theatrales Zeitgeistzentrum und als Performance-Ort mit Elan und Visionen. Doch mit Manhattans Aufstieg zum Immobilienparadies, dem damit verbundenen Siegeszug der Superreichen und dem inzwischen fast vollständigen Absterben der lokalen Subkultur scheint auch das seriöse Kunsttheater einen unrühmlichen Abgang gemacht zu haben. Die Helden von damals – Techno-Performance-Diva Laurie ...
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Die Lüge ist eine zähe Partnerin. Sie überdauert sogar noch jeden redlich in Angriff genommenen Suizid: Wäre ja noch schöner, wenn man sich durch eigens inszenierte Autounfälle einfach so aus dem Selbstbetrugskorsett herausstehlen könnte! In Florian Fiedlers Inszenierung von Arthur Millers «Tod eines Handlungsreisenden» am Schauspiel Frankfurt nimmt der soeben...
1923 in Berlin, auf dem Dach der Schallplattenfirma Vox in der Potsdamer Straße, wird der erste Sender für den Unterhaltungsrundfunk eingerichtet. Was das neue Medium beinhalten soll, ist noch ebenso offen wie die Frage, wer es beherrschen wird. Aber wohl nicht ganz zufällig geht es buchstäblich auf den Schultern des akustischen Massenmediums los, das den Rundfunk...
Das Beste, was Jan Pappelbaums Bühnen passieren kann, ist, dass sie jemand in die Luft jagt wie das Hotelzimmer in Sarah Kanes «Zerbombt». Erst in der Komplett-Zerstörung ist die detailgetreu nachgebaute Vier-Sterne-Tristesse samt ihrer Insassen in Thomas Ostermeiers Schaubühnen-Inszenierung ganz bei sich selbst angekommen. In den Wänden des Hotelzimmers klafft...
