Theatergeschichte: Herr von Flott
In Zusammenarbeit mit dem Theatermuseum Wien hat die slowakische Akademie der Wissenschaften einen von Miloš Mistrík zusammengestellten Band über «Max Reinhardt und Bratislava/Pressburg» herausgegeben, der der Herkunft der jüdischen Familie Goldmann aus dem slowakischen Städtchen Stampfen in der Nähe der damals Königlichen Freistadt Pressburg mit mehrheitlich ungarischem Bevölkerungsanteil gewidmet ist.
In Pressburg absolvierte der 1873 in Baden bei Wien als Max Goldmann geborene, später zu Weltruhm gelangte Regisseur Max Reinhardt als Zwanzigjähriger sein erstes Engagement als Schauspieler. In seiner künstlerischen Laufbahn war dieser Pressburger Aufenthalt im Theater Arena nur eine Episode, die aber den eher freireligiös aufgewachsenen Sprössling einer Kaufmannsfamilie doch mit den Traditionen und Lebensgewohnten seiner jüdischen Familie bekanntmachte, von denen viele Mitglieder und Freunde aus den verschiedensten Gründen in Stampfen, Pressburg und Umgebung zurückgeblieben waren.
Im 19. Jahrhundert war Pressburg mit einem vielseitigen Musik- und Theaterprogramm bemüht, die Attraktivität einer sich durch Mehrsprachigkeit und Überkonfessionalität auszeichnenden Kulturstadt zu ...
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Theater heute November 2020
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Klaus Völker
Mit einem beherzten Griff ans Knie geht es voran. Das Bein wird angehoben, und der Fuß macht einen Schritt nach vorne. Ein Klaps auf den Po setzt den Unterleib in Bewegung. Nur mühsam kommt die Frau auf der Bühne voran, Griff für Griff und Schlag auf Schlag, bis sie sich anscheinend entrostet hat und spielend leicht ins Spagat fällt. Weitere ferngesteuerte...
Film war für ihn das verlockendere schauspielerische Medium, aber zwanzig Jahre Theaterarbeit dienten ihm als unschätzbare Lehre für seinen künstlerischen Anspruch, «Menschen in außergewöhnlichen, extremen emotionalen Situationen» zu verkörpern. Michael Gwisdek, der im September dieses Jahres verstorbene, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Schauspieler, wurde...
Alexander Scheer ist praktisch nicht wiederzuerkennen. Ungewaschener Bart, verlebte Haut. Die Kapuze seines Mantels fällt ihm tief ins kajalverdunkelte Gesicht, nur gelegentlich blitzen blaustechend seine Augen hervor. Ein finsterer Geselle, der mit seinem Fingernagel Blechbüchsen öffnen kann. Wie er da in den ersten Minuten von «Hausen» als Obdachloser dem...
