Köln Schauspielhaus (Depot 2), NS-Dokumentationszentrum: Lektionen deutscher Geschichte
Kleists «Hermannsschlacht» von 1808, kurz nach der preußischen Niederlage gegen Frankreich, ist schon ein rätselhaftes Stück.
Wollte sich der damals notorisch erfolglose Dichter mit der holzschnittartigen Hassrede anbiedern am preußischen Hof, indem er zu «Befreiungskriegen» hetzte? Aber warum stellte er Hermann dann als feigen Intriganten dar, nie Held auf dem Schlachtfeld, sondern einer, der am Hof mit Fake News manipuliert – mit einem lächerlichen «Thuschen» an der Seite, die ihren römischen Verehrer am Schluss blutrünstig einem Bären zum Fraß vorwirft? Kein Wunder, dass es lange eher peinlich berührt ignoriert war, bis es unter den Nazis das meistgespielte Drama auf deutschen Bühnen wurde.
Dass der Stoff dem kroatischen Regisseur Frilijc gefällt, der sich gerne mit kräftigen Provokationen an europäischen Nationalismen abarbeitet, erscheint folgerichtig. Am Kölner Depot 2 geht es als museales Stehtheater allerdings lange ziemlich brav zu. In einem Stuhlviereck sitzen die Zuschauer selbst mit auf der Bühne, eingefasst von deutschmythischen Heldengemälden: Clasens «Germania auf der Wacht am Rhein» blickt trutzig entschlossen in die Ferne, in Thomas «Kinderreigen» blicken Kinder ...
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Theater heute November 2020
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Dorothea Marcus
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Endlich! Auf so einen Abend haben viele gewartet: im Mittelpunkt die ältere Frau, die ja sonst gerne ignoriert wird. Im Beruf, im Privaten und auf der Bühne sowieso. Weil sie keine Kinder mehr kriegen kann, ihr Äußeres nicht der gängigen Schönheitsnorm entspricht und ihre Lebenserfahrung einem gleichaltrigen Mann oft Angst einjagt. Nicht umsonst heißt es, Männer...
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