Theater ohne Mantel
Was für ein schöner Titel: «Theater des Jahres 2008». Dankeschön, liebe Kritiker! Wir werden dieses Prädikat feiern, und Bernd Wilms, der im Abgehen ausgezeichnete Intendant, wird zum Anstoßen auf seiner alten West-Ost-Route von Charlottenburg nach Mitte in die Schumannstraße geradelt kommen. Glückwünsche werden jederzeit gerne entgegengenommen, unsere Grafik bastelt bereits an einem Jubel-Logo für die nächsten Drucksachen, und alle am Haus dürfen sich gemeint fühlen, auch der zweite Dramaturg von links, der hier ein bisschen versucht, für alle zu sprechen.
Das ist schwierig genug, ich sag jetzt mal trotzdem immer wir, wenn ich das Deutsche Theater und meine Kollegen meine.
Auszeichnungen nimmt man ernster dann, wenn man sie selber bekommt, das ist wohl ein Naturgesetz. Deshalb sei zur Einleitung dieser feierliche Ton gestattet. Alles Misstrauen, das Theaterleute gegen Kritiker völlig zu Recht hegen, will heute vergessen sein. Schon sehe ich mich in die ebenso peinliche wie schmeichelhafte Lage versetzt, darüber nachzudenken, was man – im undurchsichtigen Kollektiv von Künstlern einerseits sowie auch sonst diesseits und jenseits der Bühne – möglicherweise richtig gemacht hat. ...
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Während sich die deutsche Kritik noch über den Erfolg von «August: Osage County», über die Wiedergeburt des amerikanischen Familienstücks aus dem Geist Eugene O’Neills wundert, räumt Tracy Letts mehrere Generationen umspannendes Epos so ziemlich alles ab, was es in der New Yorker Theaterszene zu gewinnen gibt. Pulitzer-Preis und 5 Tony Awards inklusive.
«August:...
Wenn man es nicht anders wüsste, könnte man glatt meinen, Peter Pan ist Schotte. Und seine Enkel heißen heute Ray und Neil, sind beide knapp über zwanzig und leben noch immer in Schottland. In einer großartigen kargen Landschaft mit Bergen, Höhlen und Stränden. Und hast du die Geister gesehen, Neil? Die Geister von den Männern und Frauen, die dort früher gearbeitet...
Martin Wuttke ist jetzt «Tatort»-Kommissar. Das ist keine Schande, aber doch ein klarer Schnitt. Er ist einer der auffälligsten und profiliertesten Schauspieler seiner Generation, hat über 400-mal Arturo Ui gespielt in Heiner Müllers hinterlassener Brecht-Inszenierung, war ein kurzes Jahr dessen Nachfolger als Intendant des Berliner Ensembles und gehörte dann über...
