Schottische Alltagspoesie
Wenn man es nicht anders wüsste, könnte man glatt meinen, Peter Pan ist Schotte. Und seine Enkel heißen heute Ray und Neil, sind beide knapp über zwanzig und leben noch immer in Schottland. In einer großartigen kargen Landschaft mit Bergen, Höhlen und Stränden. Und hast du die Geister gesehen, Neil? Die Geister von den Männern und Frauen, die dort früher gearbeitet und gelebt haben?
Tatsächlich: Peter Pan einfach fortgeschrieben. Hände weg, meine Dame, niemand wird mich fangen und einen Mann aus mir machen! Und nicht nur fortgeschrieben.
Intelligent gekreuzt mit einer gehörigen Portion schottischem Realismus. Ich liebe diesen egoistischen kleinen Dreckskerl. Herausgekommen ist eine durchaus spannende Mischung: aus Henrik Ibsen und – sagen wir – Sarah Kane. Mit eigenem, schwer übersetzbaren Namen: «Unbroken Hearts» von Henry Adam.
Nicht zu brechende Herzen. Denn wir sind im Geisterland, und hier gibt es nur heile Herzen. Genau deshalb ist Ray zurückgekehrt. In das entlegene Bauernhaus im Norden, das er von seiner gerade gestorbenen Großmutter geerbt hat. Regelmäßig hat er hier als Junge die Sommer verbracht. So jung und grün und ohne Sorgen. Dann war er aufgebrochen in die ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 156
von Martin Wigger
Die Frage nach der Darstellbarkeit von Historie im Drama bewegt seit den «Persern» von Aischylos die Zuschauer. Schon Aristoteles meinte, das Drama sei das tauglichere Mittel, Geschichte zu begreifen, als die Geschichtsschreibung. Es ist nicht an die Fakten gebunden, sondern kann die zentralen Widersprüche, die zum Gang der Geschichte führen, in ihrem menschlichen...
Wenn man Ulrich Matthes morgens nach dem Wetter fragt, hat er schon drei Zeitungen gelesen, berichtet Bernd Wilms.
Jens Harzer streicht nach jedem Satz über die Wirtshaustischplatte, als müsse er ein paar innere Wogen glätten, ohne dass man erfährt, woher der Wind weht. Hat Christopher Schmidt beobachtet.
Constanze Becker habe so eine Art Ur-Instinkt gegen jegliche...
Manchmal findet sich, wenn man müde ist von der immer weiter anschwellenden Flut «Szenischen Schreibens» hierzulande, ein Text, der richtig Theater sein will. Und als griffen wir nach langem wieder zum Märchenbuch, werden wir verzaubert, vom Unterbewussten heimgesucht, entführt, von Äxten, Dämonen und der eigenen Familie bedroht, fahren wir in schrottreifen Karren...
